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10.07.2010

Mehrkosten wegen falscher ÖBB-Auskunft

Wie viel zählt eine fachliche Auskunft, die noch dazu schriftlich bestätigt wird? Muss diese Auskunft vom unkundigen Konsumenten überprüft werden oder kann er sich darauf verlassen? Fragen, die sich nach den Erfahrungen eines ÖBB-Kunden ergeben, dem eine falsche Auskunft einiges an Mehrkosten verursacht hat.

Sparschienentickets
Das Ehepaar B. kaufte im Bahnhof Wien-Mitte zwei Sparschienentickets für eine Zugsreise nach Budapest und retour. Die ÖBB-Mitarbeiterin sei sehr zuvorkommend gewesen, erzählt Herr B., und habe auf einem Fahrplan-Ausdruck markiert, welcher Zug genommen werden sollte und für welchen Zug die Sparschienentickets gelten. Und dann habe sie noch auf den Sparschienentickets handschriftlich die Abfahrtszeit des Zuges von Budapest vermerkt.

Falscher Zug
Bei der Hinreise klappte alles bestens, bei der Rückreise machte der ungarische Schaffner die Bahnreisenden jedoch darauf aufmerksam, dass die Tickets nicht für den Zug gelten, in dem sie gerade sitzen würden, sondern für einen Zug, der zwei Stunden früher abgefahren sei.

Der ungarische Schaffner forderte eine Nachzahlung von 56 Euro, sein österreichischer Kollege weitere 21,70 Euro. Alles in allem also Mehrkosten von 77,70 Euro.

Selbst schuld
Herr B. reklamierte bei den ÖBB und bat um Rückerstattung der zusätzlichen Kosten. Er bekam zur Antwort , dass das nicht möglich sei, erzählt Herr B.

Wörtlich stand in dem Schreiben der ÖBB an Herrn B: „Die Preis-/Leistungsgestaltung des Sparschienen-Sondertarifes kann auf dem derzeit für unsere Kunden günstigen Niveau nur unter der Bedingung gehalten werden, dass eine Erstattung für nicht benutzte Fahrausweise ausgeschlossen ist. Den entsprechenden Vermerk finden Sie auch auf den Fahrscheinen. Um Fehlern bei der Fahrkartenausgabe vorzubeugen ist es notwendig, dass der Reisende bei der Übernahme der Unterlagen überprüft, ob diese Angaben entsprechend ausgefertigt wurden."

Andere Rechtsmeinung
Einer rechtlichen Überprüfung hält diese Auskunft nach Ansicht von help-Rechtskonsulent Sebastian Schumacher allerdings nicht stand. Die ÖBB-Kunden konnten sich auf die dezidierten Auskünfte der ÖBB-Mitarbeiterin verlassen, sagt der Jurist. Es habe ja auch keinen Anlass für einen Zweifel gegeben.

Wenn es im Zuge des Fahrkartenverkaufs durch die ÖBB zu einer Falschauskunft komme, dann hafte die ÖBB für etwaige entstehende Mehrkosten, sagt der Jurist. Die Argumentation der ÖBB, die Schuld würden hier die Konsumenten tragen, weil diese ja die Unterlagen nicht überprüft hätten, gehe seiner Meinung nach ins Leere.

Mehrkosten rückerstattet
Und das haben jetzt auch die ÖBB eingesehen. In der Stellungnahme an help heißt es, man bedauere, dass Herrn B. durch den Fehler Ärger und Kosten entstanden sind und man werde ihm die Mehrkosten ersetzen.

HELP, das Konsumentenmagazin
Jeden Samstag, 11:40 h, Ö1

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