Logo Arbeiterkammer
Hauptnavigation weiter zur Übersicht aller aktuellen Tests nützliche Links und hilfreiche Adressen zur Startseite
zur Übersicht der Artikel aus der Sendungsreihe help-Radio
03.12.2005

Tödlicher Schmuck

Als Schmuck und Wintergarten-Dekoration wird in jüngster Zeit die so genannte Paternostererbse wieder entdeckt, aus der Mönche vor 400 Jahren bereits Rosenkränze verfertigten. Wie die Mönche damals wissen auch heute die meisten nicht, was sie sich tatsächlich mit der bildhübschen Erbse ins Haus holen, auch als in "fair trade“-Läden verkaufte Ketten um den Hals legen: schweres Gift.

Zeitbomben
"Contigo“, eine "fair trade“-Ladenkette mit Sitz in Göttingen, verkauft aus Kolumbien stammende Ketten, leuchtend rote Samen mit schwarzem Fleck, aufgezogen auf Fäden aus gewachster Baumwolle. Ein Angebot, das den Direktor des Instituts für Pharmazie der Universität Heidelberg, Professor Michael Wink, die Haare zu Berge stehen lässt. Er warnt unmissverständlich: "Die Samen der so genannten Paternostererbse, sind Zeitbomben“.

Ärger als Terrooristengift Rizin
Warum, das erläutert der Pharmazieprofessor so: "Das Gift der Paternostererbse ist ein sehr starkes Stoffwechselgift. Wenn es in den Körper eindringt, kann es unter anderem die Protein-Biosynthese in den Zellen zerstören. Und letztendlich zählt das Abrin, so heißt der Giftstoff, zu den stärksten Pflanzengiften, die man überhaupt kennt. Man braucht etwa 0,01 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht, um einen Menschen umzubringen.“

Damit ist Abrin ein stärkeres Gift als das gleichfalls pflanzliche Rizin, mit dem Terroristen schon ganz Amerika in Panik versetzt haben.

Die Gift-Wirkung
Zur Abrin-Wirkung sagt Professor Wink: "Es kommt zu einer Blutentwicklung in den Darmzellen, was damit zusammenhängt, dass die ganzen Darm-Epithelien, Darmzellen, zerstört werden. Die zweite Stufe ist: wenn solche Gifte resorbiert werden, also in das Blut kommen, dass es zu Störungen der Blutgerinnung kommt. Und vor allen Dingen wird das Gift insbesondere ins Auge transportiert. Und es führt zur Erblindung.“

Die Möglichkeiten der Behandlung sind eng begrenzt. Wenn die Giftwirkung eingetreten ist, hilft nämlich eigentlich gar nichts mehr. Gegengifte sind bisher nicht entwickelt worden. Das heißt: Zurzeit kann man davon ausgehen, wer sich vergiftet und eine höhere Dosis zu sich genommen hat, ist tatsächlich tödlich vergiftet.

Verkaufsverbot gefordert
Relativ sicher verpackt ist das Gift in der getrockneten und unbeschädigten Paternostererbse. Die Schale von Schmucksamen jedoch ist durchbohrt und kann durch längeren Körperkontakt porös werden.

Und dann ist natürlich nicht unvorstellbar, dass jemand an so einer Kette lutscht. Dabei gibt es mit Sicherheit eine Freisetzung der Giftstoffe und bei einem Kleinkind oder Säugling würde es bereits reichen, wenn ein oder zwei Samen gegessen würden, dass das Kind daran sterben kann, warnt Professor Wink, der ein Verkaufsverbot für die Paternostererbse fordert, bevor es zu schlimmen Vergiftungsfällen kommt.

Händler sieht keinen Handlungsbedarf
Gefährdet sieht der Pharmazieprofessor auch jene Frauen in Entwicklungsländern, die die Erbsen durchbohren und auf Fäden ziehen.

"Fair trade“-Händler "Contigo“ will jedoch die "abrus precatorius“-Ketten, die er in Kolumbien produzieren läßt, weiter verkaufen.

Geschäftsführer Ingo Herbst schreibt in einer Stzellungnahme: "Von der Herstellung des Naturschmucks leben mehr als 200 benachteiligte Frauen in Bogota, zum größten Teil allein erziehende Mütter. Wir haben uns überzeugt, dass die Arbeit mit den Erbsen ungefährlich ist, wenn dabei die üblichen Hygiene- und Sauberkeitsmaßnahmen eingehalten werden.“

www.giftpflanzen.com

HELP, das Konsumentenmagazin
Jeden Samstag, 11:40 h, Ö1

Link öffnenhelp@orf.at

ORF

Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick

ORF