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16.08.2008

Verbrauchermacht durch Meinungsfreiheit im Internet

Verbraucherforen im Internet sind eine gute und auch immer mehr genutzte Möglichkeit, sich über Internet-Shops zu informieren, weshalb Shop-Betreiber negative Einträge unter anderem sogar mit Einschüchterungen zu eliminieren versuchen.


Wer sich über einen Lieferanten oder ein Unternehmen geärgert hat, darf das aber selbstverständlich auch veröffentlichen und ebenso selbstverständlich dürfen dabei auch Namen genannt werden, denn sonst wäre ein Verbraucherforum ja sinnlos. Ein Beispielsfall des WDR-Magazins "Quintessenz":

Bezahlt, aber nicht geliefert
Ulrike Tiele aus Bielefeld bestellte für ihre Tochter einen Schreibtischstuhl. Die berufstätige Frau nutzte einen Internetmöbelhandel und bezahlte den Stuhl im Voraus. Dann begann eine lange Zeit des Wartens. Es kam weder der Stuhl noch erstattete der Shop ihr das Geld zurück. Ulrike Tiele beauftragte einen Rechtsanwalt. Parallel dazu machte sie im Internet ihren Unmut über den Shopbetreiber Luft und daraufhin, erzählt sie: "Plötzlich tauchte er aus der Versenkung wieder auf, kurz nachdem der Bericht eingestellt war und bombardierte mich mit E-Mails in dem ich persönlich beschuldigt wurde ihn zu verleumden.“

Geschrieben wurde wurde z.B.: "Zur Vermeidung erheblicher Weiterungen (Unterlassung, Widerruf einstweilig endgültig, Schadensersatz) biete ich ihnen letzmalig an, die Angelegenheit einvernehmlich so zu regulieren und zu erledigen, wie dies unter Erwachsenen üblich ist und der Sache angepasst. Sie haben erheblich die Grenzen des regulären Umgangs überschritten.“

Recht auf Kritik
Seitdem werden die Rollen vertauscht. Ulrike Tiele soll ihr Geld erst zurückbekommen, wenn sie alle Einträge im Internetforum löscht. Damit hatte der Online-shop bei einer anderen Kundin schon einmal Erfolg, erfuhr Ulrike Tiele nachdem sie kontakt mit dieser Frau aufgenommen hatte:

"Wir haben uns ausgetauscht per E-Mail. Und letztendlich hat diese Person doch ihr Geld bekommen, aber nur indem sie quasi einen Kuhhandel abgeschlossen hat, dass sie nämlich den Bericht rausnimmt aus dieser Plattform.“

Darauf sollte man sich aber gar nicht einlassen, sagt der Jurist Thomas Hören von der Universität Münster: "Es gibt ein Recht auf Kritik, auf Meinungsäußerung und die führt dazu, dass man alles sagen darf, was mit Werturteilen zu tun hat. Man darf sagen, man findet das gemein, man hat schlechte Ware bekommen, ich bin unzufrieden gewesen.“

Namen dürfen auch genannt werden. Kritisch wird es erst dann, wenn man etwas behauptet das gar nicht stimmt: "Da kann man dann auch ganz schnell eine Abmahnung kassieren und deshalb immer aufpassen, schimpfen ja, aber nicht etwas behaupten, was in der Wirklichkeit so nicht stattgefunden hat.“

Nicht einschüchtern lassen
Beschwert sich ein Shopbetreiber trotzdem, rät Uni-Prof. Thomas Hören: "Man kann einen kurzen Satz zurückschreiben, dass man sein Werturteil durchaus im Meinungsforen verbreiten darf, und das war's. Das sind ganz einfach auch Abzocker, die da versuchen, das Maul der Verbraucher zu stopfen, die natürlich auch Angst haben vor Beschwerdeforen. Aber die müssen sie hinnehmen, dass man eben auch im Internet über sie urteilen kann."

Das meint auch Ulrike Tiele und will auf keinen Fall ihren Erfahrungsbericht mit dem Internetshop von der Verbraucherplattform nehmen: "Selbst wenn er mir anbieten würde jetzt, er würde mir das Geld zurückerstatten, wenn ich den Bericht rausnehmen würde, würde ich mich einfach nicht erpressen lassen sondern den rechtlichen Weg gehen.“

WDR "Quintessenz": Verbrauchermacht durch Online-Foren

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Jeden Samstag, 11:40 h, Ö1

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