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Alarmierend viel Plastikhormon im Blut von Kindern / Bild: APA
05.08.2010

Alarmierend viel Plastikhormon im Blut von Kindern

Eine aktuelle Studie zeigt, dass Menschen weltweit viel stärker mit der Chemikalie Bisphenol A, kurz BPA, belastet sind, als bisher angenommen und vom Gesetzgeber berücksichtigt wurde. BPA hat eine hormonähnliche Wirkung, die zahlreiche hormongesteuerte Prozesse im menschlichen Körper stören kann. Die Chemikalie ist Ausgangsstoff für eine große Gruppe von Kunststoffen, die u.a. auch als Verpackungsmaterial in der Lebensmittelindustrie und für Babyfläschchen und Schnuller verwendet werden. Die Umweltschutzorganisation Global 2000 fordert, vor allem zum Schutz der Kinder, die Chemikalie mit Hormonwirkung zu verbieten.

Belastung unterschätzt
Die im Environ Health Perspect erschienene Studie bewertet die Ergebnisse von BPA-Gehalten im Urin, Blut und Gewebe von Menschen aus neun Nationen. Als besonders alarmierend bezeichnet Daniela Hoffmann, Chemieexpertin von Global 2000 die BPA- Konzentrationen in Kindern und Neugeborenen. Sie liegen weit über denen der Erwachsenen. Kinder reagieren besonders empfindlich auf hormonell wirksame Chemikalien.

Bisphenol A
BPA wurde in den 1930er Jahren aufgrund seiner östrogenähnlichen Wirkung medizinisch erforscht. Später wurde es in der Plastikindustrie als billiger und leicht zu produzierender Grundstoff für zahlreiche Anwendungen eingesetzt.

Aufgrund seiner hormonähnlichen Wirkung stört BPA zahlreiche hormongesteuerte Prozesse im menschlichen Körper und kann u.a. Unfruchtbarkeit, Erektions- und Ejakultionsstörungen, Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen auslösen. Es wirkt sich negativ auf die Hirn- und Geschlechtsdrüsenentwicklung von Föten aus.

Nahrung belastet
Zur Bisphenol A-Belastung kommt es in erster Linie, weil die Chemikalie aus Kunststoffen in die Nahrung übergeht. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Menschen BPA hauptsächlich über diese verunreinigte Nahrung aufnehmen. Dennoch können andere Expositionswege wie beispielsweise über Haut oder Lunge nicht ausgeschlossen werden. Allgegenwärtige Kunststoffchemikalien sind ein äußerst ernstes Umwelt- und Gesundheitsproblem, das bis jetzt von den Verantwortlichen in Politik und Industrie nicht ernst genug genommen wurde, Das wolle Global 2000 jetzt ändern, kündigt Hoffmann an.

Grenzwerte zu hoch
Seit Jahrzehnten warnen Wissenschaftler, dass die bestehenden gesetzlichen Grenzwerte keinen ausreichenden Schutz bieten. Die in der EU für Lebensmittelsicherheit zuständige Behörde EFSA bezieht sich in ihren Risikoanalysen immer wieder auf wenige und zum Teil von Experten heftig kritisierte Studien, kritisiert Hoffmann von Global 2000. Zwei dieser Industriestudien, gelten als Grundlage des momentan gültigen Richtwerts zur erlaubten Tagesdosis von BPA.

Nach einer Studie des Deutschen Umweltbundesamtes ist dieser Wert aber viel zu hoch, so die Global 2000-Chemieexpertin. Und die Vorhersagen der Industriestudien bezüglich der Konzentration von BPA im menschlichen Körper würden in der aktuellen Studie, die sich ja auf tatsächliche Messungen bezieht, unzweifelhaft widerlegt, sagt Hoffmann

Verbot gefordert
Aufgrund der gesundheitsrelevanten BPA-Konzentrationen vor allem in Kindern fordert Global 2000 von Geundheitsminister Stöger (SP) ein sofortiges Verbot von BPA in Kinderprodukten und Produkten, die mit Lebensmitteln für Kinder in Kontakt kommen.
Außerdem müsse ein Aktionsplan zur Reduktion von BPA in der Umwelt entwickelt werden.

externen Link öffnenAktuelle Bispehnol A-Studie (Englisch)

externen Link öffnenGlobal 2000

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