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18.09.2010

Was man von "nicht alltäglicher" Busreise erwarten darf

Die Teilnehmer einer Busreise auf den Spuren der k. und k. Monarchie durch Galizien und die Bukowina freuten sich auf ein interessantes, ganz und gar nicht alltägliches Reiseerlebnis mit viel Geschichte und Kultur in einer reizvollen Landschaft und – wie auch versprochen worden war - im modernen Komfortbus. Doch die örtlichen Verhältnisse sind mitunter schwierig, und so wurde die zugesagte Komfortreise zur unbequemen Zitterpartie – wofür der österreichische Veranstalter nicht die Verantwortung übernehmen will.

Moderner Komfortbus
Josef Mathias M. aus Wien nahm an der einwöchigen, von Railtours Austria veranstalteten Reise in den äußersten Osten Altösterreichs teil. Wie der Veranstalter selbst schreibt, zeichnet sich die Reise durch ein besonders dichtes und anstrengendes Programm aus. Es werden dabei rund 3000 Kilometer auf oft extrem schlechten Straßen zurückgelegt.

Ein moderner Komfortbus aus Österreich sollte aber für die nötige Bequemlichkeit sorgen. So war es geplant. Dann musste aber wegen Schwierigkeiten an der ukrainischen Grenze ein Bus aus Rumänien angemietet werden.

"Unkomfortbus"
Es sei ein „Unkomfortbus“ gewesen, sagt Herr M. Ein abgenutzter Bus mit abgesessenen Sitzen, die Klimaanlage sei nicht zu regulieren gewesen. Die Straßenverhältnisse seien zum Großteil ganz, ganz schlecht gewesen, man hätte also ein gut gefedertes Fahrzeug gebraucht um überhaupt so eine Reise machen zu können. Wenn man jedoch mit einem so mühsamen Gefährt durch die Gegend gekarrt werde, beeinträchtige das die Reise schon ganz wesentlich.

Preisminderung gefordert
Zurück in Wien forderte Herr M. daher eine Preisminderung für die Reise, die so gar nicht seinen Vorstellungen entsprochen hatte. Das wurde vom Veranstalter abgelehnt. In einer Stellungnahme an help wird das von Railtours Austria u.a. wörtlich so begründet:

"Die von Herrn M. als besonders störend empfundene Situation, nicht in einem österreichischen, sondern in einem anderen EU- Land zugelassenen, modernen Komfortbus zu reisen, bedauern wir sehr – dies ließ sich in der geschilderten Situation leider nicht verhindern. Doch hatte auch dieser Bus Toilette, Komfortsitze, Getränkeverkauf, Kühlbox und Klimaanlage."

Vertragliche Zusicherung
Die AK-Reiseexpertin Jutta Repl sagt, dass ein moderner Komfortbus von einem österreichischen Busunternehmen eine ganz konkrete vertragliche Zusicherung war.

Wenn es nun zu Leistungsänderungen komme, dann ziehe das eine Preisminderung nach sich, sagt die Reiserechtsexpertin. Da helfe dem Reiseveranstalter auch nicht, dass diese Leistungsänderungen nicht von ihm zu verantworten seien, sondern ihm von außen aufgezwungen wurden.

Anspruch auf Gewährleistung
Der Kunde habe daher einen Anspruch auf Gewährleistung, so Repl. Der Veranstalter könne sich nicht auf unvorhergesehene Schwierigkeiten ausreden, wenn er seinen Vertrag nicht erfülle.

Wenn der Reiseveranstalter auf der einen Seite sage, dass der Reiseteilnehmer mit einer komfortablen Ausstattung des Reisebusses rechnen könne und andererseits dann versuche, über eine Landesüblichkeit Abstriche zu argumentieren , dann sei das eine unzulässige Einschränkung der Gewährleistung.

Zehn bis fünfzehn Prozent
Der auch von österreichischen Gerichten immer wieder zu Rate gezogenen Frankfurter Tabelle zufolge, wäre im vorliegenden Fall wohl eine Preisminderung von zehn bis fünfzehn Prozent des Reisepreises angemessen, meint die AK-Reiseexpertin. Kommt es auf dieser Basis nicht doch noch zu einer Einigung, will Herr M. klagen.

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