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03.07.2010

Küche ohne Arbeitsplatte

Wird eine bestellte Ware nicht geliefert, so kann man – unter Setzung einer Frist – vom Kaufvertrag zurücktreten. Schwierig wird das allerdings, wenn eine größere Bestellung weitgehend geliefert wird, aber ein kleinerer, aber nicht unwesentlicher Teil des Ganzen fehlt.

Steinmetz kam nicht
Friedrich Vs Tante und Onkel haben im März für ihre Ferienwohnung eine rund 14.000 Euro teure Einbauküche samt Elektrogeräten im Möbelhaus Leiner gekauft. Die Maße wurden von den Kunden selbst beigebracht; Mitte Mai wurde die Kücheneinrichtung auch geliefert und montiert, erzählt Herr V., aber....

"… die Granitplatte wurde nicht geliefert. Das ist eine Arbeitsplatte, in die der Herd, die Kochmulde eingelassen ist."

Der Steinmetz begründete sein "Nichterscheinen" damit, dass die Platte noch nicht produziert sei...

"… weil er nicht vorher messen konnte und nach Maß arbeiten wollte."

Also wurde ein Termin für die Vermessung anberaumt, zu diesem der Steinmetz aber auch nicht erschien. Diesmal war die Begründung, "dass der andere Teil der Arbeitsplatte, der aus Holz ist und erst nachproduziert werden musste, noch nicht eingepasst war". Nach Fertigstellung des Holzteils wurde abermals ein Termin mit dem Steinmetz vereinbart und der kam abermals nicht. Diesmal mit der Erklärung,…

"… er braucht nicht messen, er arbeitet das nach Plan aus, was er von der Firma Leiner als Bestellung bekommen hat. "

Klärende Gespräche
Nachdem drei weitere Liefertermine nicht eingehalten wurden, wandte sich Herr V. an help. Das Möbelhaus Leiner, das als Verkäufer der Küche für die Mängelbeseitigung im Sinne der Gewährleistung zuständig ist, bedauert in einer Stellungnahme die "Aneinanderreihung von unglücklichen Umständen" und schreibt:

"Bedauerlicherweise stellte sich bei der Anlieferung der Küche heraus, dass die uns übermittelten Maße für den Holz-Teil der Arbeitsplatte nicht korrekt waren. Somit war es der Steinmetzfirma nicht möglich, vor Ort eine Schablone für den Granit-Teil abzunehmen. In der Folge haben wir den Holz-Teil neu bestellt und es leider verabsäumt, die Steinmetzfirma von der Anlieferung derselben zu verständigen, weshalb die Schablonierung wiederum nicht erfolgen konnte. Schließlich hielt die Firma zu allem Überfluss einen direkt mit unseren Kunden vereinbarten Termin aus für uns nicht nachvollziehbaren Gründen nicht ein."

Abschließend teilt Leiner mit, man habe aber letztlich durch "klärende Gespräche" doch noch eine „Beschleunigung erreicht“ weshalb mittlerweile die Granitarbeitsplatte geliefert und montiert wurde.

Rücktritt vom Vertrag
Help -Rechtskonsulent Sebastian Schumacher erklärt, dass ein Konsument bei einem Lieferverzug zwei Möglichkeiten hat:

"Er kann entweder unter Setzung einer angemessenen Nachfrist, seinen Rücktritt vom Vertrag erklären..."

… was bei einer weitgehend fertigen Einbauküche nicht besonders sinnvoll wäre, weshalb es klüger ist, …

"...auf die Erfüllung bestehen und Schadenersatz wegen der Verspätung verlangen. So könnte beispielsweise bei einem nutzlosen Zuwarten auf eine Lieferung, die dann doch nicht kommt, der Verdienstentgang für diesen Zeitraum oder auch die Fahrtkosten geltend gemacht werden."

Und so hat sich Herr V. nun mit dem Möbelhaus auf eine angemessene Entschädigung für die entstandenen Unannehmlichkeiten geeinigt.

HELP, das Konsumentenmagazin
Jeden Samstag, 11:40 h, Ö1

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