Logo Arbeiterkammer
Hauptnavigation weiter zur Übersicht aller aktuellen Tests nützliche Links und hilfreiche Adressen zur Startseite
zur Übersicht der Artikel aus der Sendungsreihe help-Radio
31.07.2010

Verweigerte Haftung für beschädigtes Fluggepäck

Wird Fluggepäck beschädigt, dann haben betroffene Passagiere selbstverständlich Ersatzansprüche. Unter welchen Bedingungen eine Airline Geschädigten was zu zahlen hat, regelt das Montrealer Übereinkommen die Haftung im internationalen Luftverkehr.


Damit sollten Schadensfälle also eher komplikationslos abgewickelt werden können. Sollten, denn es kommt immer wieder vor, dass Fluglinien sehr "eigenwillige" Auslegungen des Montrealer Abkommens praktizieren.

Gepäck war waschelnass
Georg B ist am 25. Mai mit einer Bekannten von Wien-Schwechat nach Stockholm geflogen. An diesem Tag hat es heftig geregnet, erinnert sich Herr B.

"Wir konnten von der Abflughalle direkt auf das Flugzeug von FlyNiki sehen..."

...das gerade mit dem Gepäck beladen wurde. Aber...

"...von der Mannschaft, die das betreut hat, wurde, die dafür vorgesehene blaue Plane - das konnten wir beide genau beobachtet – nicht verwendet."

Weshalb das Gepäck dem starken Regen ausgesetzt war. In Stockholm bei der Gepäckausgabe waren die zwei Reisetaschen noch immer entsprechend durchnässt.

"Und wir haben uns umgesehen, es war kein Lost & Found-Schalter vorhanden. Und im Hotel, beim Aufmachen und Versorgung der Kleidung in den Schrank, haben wir festgestellt, dass das alles waschelnass war."

Einige Kleidungsstücke mussten gereinigt werden beziehungsweise waren überhaupt ruiniert, weshalb ein Schaden von rund 270 Euro entstanden war.

Frist für eine schriftliche Nachmeldung war überschritten
Nach genau sieben Tagen – wieder zurück in Wien - meldete Herr B. den Schaden bei der zuständigen Stelle am Flughafen:

"Der hat mir ein Formular in die Hand gedrückt, das ich ausgefüllt habe und der hat gesagt, er wird das weiterleiten."

Zwei Tage später erhielt Georg B. von der Fluglinie einen Absagebrief, mit der Begründung, dass er den "Inhaltsschaden nicht bei der Ankunft am Flughafen Stockholm" gemeldet hätte und auch die Frist für eine schriftliche Nachmeldung überschritten worden sei. Dabei bezieht man sich auf das "Montrealer Übereinkommen".

Innerhalb von sieben Tagen melden
Das schreibt Fly Niki auch in einer Stellungnahme an help, in der dann auch noch steht, sollte eine Beschädigung erst nach dem Verlassen des Flughafens festgestellt werden,...

"...so ist diese Tatsache innerhalb von sieben Tagen direkt bei uns – also bei NIKI im Hauptbüro Wien oder bei unserem Partner airberlin im Hauptbüro Berlin zu melden. Das ist deswegen notwendig, da unsere eigenen Mitarbeiter sehr genau die dargestellten Sachverhalte prüfen müssen."

Auch um festzustellen, ob der Schaden bei oder durch die Fluglinie und nicht nachträglich entstanden ist.

Schadenersatzansprüche einklagen
Wozu AK-Reiserechtexpertin Jutta Repl sagt:

"Das Montrealer Übereinkommen regelt ganz klar, dass zwar an sich der Schaden, so er festgestellt ist, sofort gemeldet werden soll; bei aufgegebenen Fluggepäck reicht aber jedenfalls eine Schadensanzeige binnen sieben Tagen."

Und die muss schriftlich erfolgen. Und zum Punkt, dass man den Schaden direkt im Hauptbüro der Fluglinie melden muss, meint Jutta Repl.

"Wenn sich die Fluglinie nun auf ein vorgegebenes Prozedere beruft, das sie in den Beförderungsbedingungen beispielsweise festgelegt haben, dann hält das nicht."

Werden Passagieren von einer Airline Schadenersatzansprüche verwehrt, bleibt letztlich nur eine gerichtliche Klage. Georg B. bleibt die erspart, denn er hat nun mittlerweile seinen Schaden ersetzt bekommen; – allerdings nicht von FlyNiki, sondern von seiner Reiseversicherung.

HELP, das Konsumentenmagazin
Jeden Samstag, 11:40 h, Ö1

Link öffnenhelp@orf.at

ORF

Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick

ORF