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17.07.2010

Orientierungshilfe und Querulantensieb

Reisezeit ist auch Beschwerdezeit: Zu einem Urlaub aus dem Katalog gehören spätere Reklamationen fast schon dazu. Manche Mängel können durchaus einen Anspruch auf Reisepreisminderung ergeben, andere Beschwerden dagegen fallen vor Gericht durch. Als Orientierungshilfe für Fachleute und Konsumenten erschien nun die sogenannte Wiener Liste - eine Sammlung reiserechtlicher Urteile des Handelsgerichts Wien - erstmals in Buchform.

Aktuelle Rechtsprechung
Wer sich nach einem Urlaub bereits einmal wegen mangelhafter Unterbringung oder falschen Katalogversprechen beim Reiseveranstalter beschwert hat, wird unter Umständen mit der sogenannten Frankfurter Tabelle in Berührung gekommen sein. Darin sind - unverbindlich - Preisminderungsansprüche bei Reisemängeln aufgeführt, die das Frankfurter Landgericht ausgearbeitet hat.

Auch in Österreich wurde oft auf die deutsche Tabelle verwiesen. Seit 2006 gibt es auch eine Wiener Liste, in der reiserechtliche Urteile des Wiener Handelsgerichts zusammengefasst sind. Nun gibt es sie auch in Buchform. Der Autor, Rechtsanwalt Eike Lindinger: "Die Frankfurter Tabelle ist aus den 80er Jahren, die Wiener Liste hat jetzt ein umfassendes Update bekommen, das heißt die aktuelle Rechtsprechung bis Juni 2010 ist darin eingearbeitet worden."

Für Laien und Fachleute
Entstanden ist die Judikatur-Sammlung zuerst als internes Hilfsmittel. Eike Lindinger vertritt unter anderem Reiseveranstalter vor Gericht, und begann vor einigen Jahren damit, Fälle zu katalogisieren und mit Schlagworten zu versehen. Daraus entstand die "Wiener Liste", eine Name, der mittlerweile urheberrechtlich geschützt ist.

Zielpublikum sind neben Rechtsanwälten, Rechtsabteilungen der Veranstalter und Richter auch die Konsumenten, so Lindinger: "Das ist nämlich einer der wesentlichen Unterschiede zur Frankfurter Tabelle. In der Wiener Liste finden sie auch zahlreiche Stichworte. Das heißt "Mängel" die keinen Anspruch begründen, wo eben das Ergebnis null Prozent ist."

"Vorsieb für Querulanten"
Und zwar Null Prozent Reisepreisminderung. Die gibt es zum Beispiel bei Live-Musik bis nach Mitternacht, wenn das im Prospekt angegeben war, oder wenn das Restaurant in 15-minütiger Geh-Entfernung lag. Diese Umstände stellen eine "hinzunehmende reiserechtliche Unanehmlichkeit" dar, wie es im Juristendeutsch heißt, und führen nicht zu einem finanziellen Anspruch.

"Für den Querulanten mag das vielleicht ein Vorsieb sein, dann wird er das vielleicht nicht geltend machen", vermutet Anwalt Lindinger, und die Mehrheit der ehrlichen Reisenden könne damit ihr Prozessrisiko besser einschätzen: "Das heißt, der macht nicht 30 Prozent geltend für irgendwas, wo die Judikatur vielleicht nur sagt, dafür gibt es nur fünf Prozent."

Die "Wiener Liste" ist im Manz Verlag erschienen, 204 Seiten stark und kostet 22,80 Euro.

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