Logo Arbeiterkammer
Hauptnavigation weiter zur Übersicht aller aktuellen Tests nützliche Links und hilfreiche Adressen zur Startseite
zur Übersicht der Artikel aus der Sendungsreihe help-Radio
24.07.2010

Weiter sorgloser Umgang mit Phthalaten in China und Russland

Phthalate sind gesundheitsgefährdende Weichmacher, die in der Produktion von Plastik verwendet werden. Sie können chronische Leber- und Nierenschäden hervorrufen, außerdem stehen sie in Verdacht, die Fortpflanzungsfähigkeit zu schädigen und krebserregend zu wirken. Deshalb ist Kinderspielzeug, das diese Weichmacher enthält EU-weit längst verboten. Bei der Spielzeugproduktion in China und beim weltweit größten Hersteller von Weichmacher-Rohstoffen in Sibirien gehen Unternehmen und Arbeiter aber häufig weiterhin völlig sorglos mit den gefährlichen Chemikalien um und es kommt nach wie vor auch hierzulande Plastikkinderspielzeug mit gefährlichen Weichmachern in den Handel.


Im Billigplastikland China fehlt die staatliche Kontrolle der Weichmacher und ihrer gefährlichen Auswirkungen. Journalisten des Fernsehkonsumentenmagazins des Südwestdeutschen Rundfunks, "Marktcheck“ gaben sich auf einer chinesischen Spielwarenmesse als Einkäufer aus und fragten bei Herstellerfirmen, ob Phthalate als Weichmacher für die Puppen verwendet werden. Man versicherte, dass das verwendete Plastik von Natur aus weich sei. Doch so etwas gibt es nicht.

Rohstoffherstellung in Sibirien
Die Rohstoffe für die in China produzierten Weichmacher werden in Perm, in Sibirien hergestellt. Dort fanden "Marktcheck“-Reporter eine Klinik-Ärztin, die sagte: "In Perm haben wir ein großes Problem mit der Unfruchtbarkeit. Die Situation ist dramatisch. 50 Prozent aller Paare hier können keine Kinder bekommen.“ Ob die Ursache dafür bei den in der Nähe produzierten Weichmachern liegt, wird nicht untersucht.

Das österreichische Kontrollsystem
In der EU dürfte eigentlich längst kein Spielzeug mehr mit Weichmachern verkauft werden.

Wie das in Österreich sichergestellt werden soll, dazu sagt Alexander Zilberszac vom Gesundheitsministerium: "Die Sicherheit von Spielzeug beruht auf zwei Säulen. Die eine Säule ist das in Österreich sehr gut funktionierende und effiziente Kontrollsystem nach dem Lebensmittelgesetz, und die zweite Säule ist auf alle Fälle die Eigenverantwortung der Eltern. Die Eltern und die Erziehungsberechtigten müssen Spielzeug sozusagen ‚richtig‘ aussuchen und beim Kauf von Spielzeug auf gewisse Dinge achten.“

Gütesiegel
Grundsätzlich gibt es also strenge Import-Kontrollen, ob Spielzeug Phthalate enthält.

Diese Kontrollen können aber nur stichprobenartig umgesetzt werden, jedes einzelne Produkt kann nicht untersucht werden, wozu Alexander Zilberszac meint: "Da ist eben nur an die Verantwortung der Erziehungsberechtigten zu appellieren. Sie sollen Spielzeug in Fachgeschäften einkaufen, sie sollen sich nicht durch Angebote von Billigläden verlocken lassen. Man kauft nicht Spielzeug in Ein-Euro-Shops, wenn man gutes Spielzeug haben will."

Außer Fachberatung gibt’s beim Spielzeugkauf auch noch weitere Orientierungsmöglichkeiten. So sind Phthalate vor allem in PVC-Materialien enthalten. Die Kürzel PE und PP sind hingegen nicht bedenklich. Auch ein einfacher Geruchstest hilft oft weiter, denn ein unangenehm "chemischer" Geruch weist auf gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe hin. Und dann gibt es vor alldem auch noch ein "Phthalat-Frei-Siegel“ und einige weitere Gütesiegel.

Gesundheitsministeriumsbroschüre "Tatsachen über Spielsachen“:

Phthalate-Free Gütesiegel

Marktcheck: Auf Spurensuche in Chemiefabriken

HELP, das Konsumentenmagazin
Jeden Samstag, 11:40 h, Ö1

Link öffnenhelp@orf.at

Artikel lesenÜberarbeitung und Verschärfung der EU-Spielzeugrichtlinie gefordert (16.06.2010)

Artikel lesenEU prangert Tausende giftige Spielsachen aus China an (15.04.2010)

Artikel lesenKeine Zulassungsvorschriften bei Kinderspielzeug (12.12.2009)

Artikel lesenKinder mit gefährlichen Weichmachern stark belastet (26.09.2009)

Artikel lesenKritik an neuer EU-Spielzeugrichtlinie (31.01.2009)

Artikel lesenNeue EU-Spielzeugrichtlinie verabschiedet (18.12.2008)

ORF

Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick

ORF