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31.07.2010

Virtuelle Überwachung bei Online-Spielen

Was haben Google, Facebook und die Payback-Karte gemeinsam? Sie alle sammeln die Daten ihrer Kunden, um den Umsatz zu steigern. Ebenso neugierig sind Internet-Rollenspiele, wie das beliebte "World of Warcraft“. Sie überwachen jeden Online-Schritt ihrer Spieler und erstellen daraus komplexe Verhaltensprofile.


Mit den gleichen Methoden spüren Geheimdienste Terrornetzwerke auf.

Alles wird protokolliert
Ihre Welten stecken voller Gefahren, Abenteuer und Geheimnisse. Doch wer sich von Internet-Rollenspielen wie World of Warcraft in den Bann ziehen lässt, sollte sich über eines im Klaren sein: Geheim ist hier gar nichts. Jede Aktion, die ein Spieler mit seinem virtuellen Charakter unternimmt, wird sekundengenau protokolliert, sagt Volker Zota vom Computermagazin c’t:

"Grundsätzlich werden alle Daten gesammelt, sprich Bewegungs- und Verhaltensmuster der einzelnen Charaktere. Aber auch die Kommunikation der Spieler untereinander, so dass man im Endeffekt ein komplettes Abbild der virtuellen Welt hat, um das auch analysieren zu können.“

Geheimdienstmethoden
Welche Orte ein Spieler in der Online-Welt betreten hat, wie er einen Kampf geführt, eine Aufgabe gelöst hat oder einem Freund zu Hilfe gekommen ist – dem Protokoll entgeht nichts. Und liefert so tiefe Einblicke in das Sozialverhalten der einzelnen Spieler, aber auch ganzer Spielergruppen, erläutert der c't-Experte: "Bei der Kommunikation zwischen den Spielern lässt sich herausfinden, welche einzelnen Individuen in dem Spiel wichtig für andere Spieler sind, soll heißen, eine Rolle eines Anführers übernehmen, beispielsweise einen Gildenchef oder ähnliches bei Online-Rollenspielen. Und solche Spieler sind natürlich besonders wichtig für so ein Netzwerk, weil sie andere Spieler binden und auch dafür sorgen können, dass eben diese Spieler weiterhin mitspielen.“ Und monatlich Geld dafür zahlen.

Aber nicht nur für die Unternehmensbilanz der Spieleanbieter ist dieses Wissen von großem Nutzen. Auch Forscher und Geheimdienste profitieren von den Erkenntnissen der virtuellen Überwachung. Volker Zinta: "Und insofern kann man tatsächlich – im Prinzip zumindest – die gleichen Analysefunktionen, die man bei den Rollenspielen verwendet, auch bei den Geheimdiensten einsetzen, um so zu versuchen, Terrorzellen auszuheben und deren Kommunikation so zu überwachen, dass man merkt: Oh, jetzt ist irgendwas im Gange, jetzt steht ein Anschlag oder etwas Ähnliches bevor.“

Keine Chance auf Anonymität
Übrigens: Wer sich der virtuellen Überwachung bei Online-Spielen entziehen möchte, hat zumindest bei kommerziellen Anbietern keine Chance, meint der-Redakteur: "Man kann natürlich unter einem bestimmten Pseudonym auftreten. Grundsätzlich ist es so, dass man bei den kommerziellen Spielen im Endeffekt immer auch identifizierbar sein würde, weil man üblicherweise über seine Kontodaten an den Anbieter gebunden ist.“

Und damit ist die schöne Anonymität dann sowieso dahin.

c't: Der vermessene Spieler

HELP, das Konsumentenmagazin
Jeden Samstag, 11:40 h, Ö1

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