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16.08.2010

Studie: Strom- und Gaspreise stark gestiegen

Lieferanten von Strom und Gas geben Preissenkungen oft nur zögerlich oder gar nicht an die Konsumenten weiter. Das zeigt eine aktuelle Studie der Österreichischen Energieagentur (AEA) im Auftrag der Arbeiterkammer (AK) bei 14 Strom- und elf Gasanbietern zwischen Juli 2008 und Juni 2010.


Verglichen wurde die Entwicklung der Strom- und Gaspreise für Haushalte mit den Großhandelspreisen (ÖSPI und ÖGPI). Überprüft wurden die reinen Arbeitspreise, also etwa ohne Rabatte oder Netz, für einen Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden für Strom und 15.000 Kilowattstunden für Gas.

Großhandelspreise fallen, Haushaltspreise steigen
Während der Großhandelspreisindex für Strom (ÖSPI) von Juli 2008 bis Juni 2010 um mehr als ein Fünftel gefallen ist, stiegen die Strompreise für die Haushalte (EPI) im gleichen Zeitraum durchschnittlich um 5,5 Prozent.

Nur die Kärntner (KELAG und Energie Klagenfurt) und steirischen Energieversorger (STEWAG-STEG und Energie Graz) haben ihre Preise nicht angehoben, zeigt die Studie.

Auch Gaspreise sind gestiegen
So ist der Referenz-Großhandelspreisindex für Gas (ÖGPI) zwischen Juli 2008 und Juni 2010 um fast ein Fünftel gesunken, während in diesem Zeitraum die Gas-Arbeitspreise für Haushalte (EPI) um durchschnittlich fünf Prozent gestiegen sind.

Erst Anfang des Jahres wurden die Preisvorteile zögerlich weitergegeben. Nur die VEG Vorarlberger Erdgas, die burgenländische BEGAS und Wien Energie senkten die Preise für ihre Kunden.

Die Kärntner KELAG und die Energie Klagenfurt haben ihre Gaspreise nicht angehoben. Alle anderen Gasanbieter haben ihre Preise teilweise signifikant erhöht. Ein Tiroler Gas-Haushalt zahlt etwa für einen Durchschnittsverbrauch (15.000 Kilowattstunden) im heurigen Juni um 90 Euro mehr als vor zwei Jahren – und das trotz sinkender Großhandelspreise.

AK-Tirol: Klarstellung
Ergänzend zur bundesweiten Erhebung beim Gaspreis stellt die AK Tirol fest, dass der einzige Tiroler Anbieter, die TIGAS, von 2008 auf 2010 den Arbeitspreis um 5,5 Prozent erhöht hat. Der Arbeitspreis umfasst dabei einen Rabatt, der standardmäßig allen TIGAS-Kunden gewährt wird. Ohne Berücksichtigung des Rabatts wäre der Anstieg höher - plus 22 Prozent.

Der Arbeitspreis ist aber nur eine von drei Komponenten, die zusammen den Gaspreis bilden. Hinzu kommen die Netzkosten sowie Steuern und Abgaben, die von der Aufsichtsbehörde E-Control per Verordnung festgelegt werden. Die Netzkosten sind in den letzten beiden Jahren gesunken, wodurch für den Endkunden bei der TIGAS der Preis pro kWh im Vergleich zu 2008 praktisch unverändert geblieben ist.

Der Referenz-Großhandelspreisindex für Gas (ÖGPI) ist zwischen Juli 2008 und Juni 2010 um fast ein Fünftel gesunken.

Stellungnahme der E-Wirtschaft
Die Strompreisentwicklung in Österreich sei langfristig unter der Inflationsrate, in allen Nachbarländern sei Strom teurer, erklärte die Generalsekretärin von Oesterreichs Energie, Barbara Schmidt. Die Strompreise in Österreich gehörten zu den stabilsten in Europa und entwickelten sich langfristig deutlich geringer als die Inflationsrate. Kurzfristige Betrachtungen, wie aktuell seitens der Arbeiterkammer, würden ein verzerrtes Bild widerspiegeln, das nicht der Realität entspreche.

Strom ist nicht nur unverzichtbar für das Funktionieren der Gesellschaft, sondern zählt zu den preisgünstigsten Gütern, so Schmidt. Die Ausgaben der Haushalte für Strom liegen derzeit im Durchschnitt bei 1,75 Euro pro Tag, das ist weniger als der Preis für ein Getränk in einem Lokal. Schmidt: "Die österreichischen Strompreise gehören zudem zu den stabilsten in Europa und entwickelten sich langfristig deutlich weniger dynamisch als die Inflationsrate oder die Preise anderer Energieträger." Seit 1986 stieg der Strompreis um rund 42 Prozent, während andere Energieträger sowie die Inflation deutlich über 60 Prozent zugelegt haben.

Schmidt: "Damit liegt der reale Endkundenstrompreis bereinigt um die Inflationsentwicklung und Einkommenszuwächse rund 13 Prozent unter dem Niveau von 1986 und etwa auf gleichem Niveau wie im Jahr 1996." Auch im europäischen Durchschnitt stiegen die Strompreise in den vergangenen Jahren knapp ein Prozent pro Jahr stärker als in Österreich. Steuern und Abgaben auf Strom verdoppelten sich dagegen seit 1996.

Stellungnahme der Energie-AG
Die E-Wirtschaft wirft der Arbeiterkammer vor, mit ihrer Studie zu heimischen Strom- und Gaspreisen "ein völlig verzerrtes Bild" zu zeichnen. Der Beobachtungszeitraum (Juli 2008 bis Juni 2010) der Studie sei "willkürlich gewählt", kommentiert der oberösterreichische Versorger Energie AG das Studienergebnis, wonach die heimischen Versorger Preissenkungen bei Großhandelspreisen nicht an die Kunden weitergeben.

Der Untersuchungszeitraum müsse mit dem Jahr 2006 beginnen, als der Strompreis deutlich unter dem Niveau vom Spitzenjahr 2008 lag, sagte der Sprecher des Branchenverbands Österreichs Energie zur APA.

Verzerrtes Bild
Zwischen 2005 und 2010 sei der Strompreis für österreichische Haushalte um 20 Prozent gestiegen und damit weniger stark als im EU-Schnitt. In Großbritannien etwa seien die Strompreise im selben Zeitraum um 40 Prozent gestiegen, so Ernst Brandstetter, Sprecher von Österreichs Energie (früher Verband der Elektrizitätsunternehmen Österreichs, VEÖ) zur APA.

Der Vergleichszeitraum beginne auf dem Höchststand der internationalen Strommärkte und endet nach Durchschreiten der Talsohle, empört sich die Energie AG. Das ergäbe ein verzerrtes Bild, da Energieversorger lange im Voraus Strommengen auf den internationalen Märkten zukaufen müssten.

Mischpreis
Laut Branchenverband liegt die Beschaffungszeit für den Strom, den Konsumenten zum jetzigen Zeitpunkt beziehen, zwei bis drei Jahre zurück. Der Preis sei ein Mischpreis, da die Versorger Strom übers Jahr verteilt in Tranchen einkauften, so Brandstetter. Im aktuellen Strompreis seien daher auch Tranchen aus 2008 enthalten, als der Strompreis auf seinem Höhepunkt lag. Der Konsumentenpreis könne auch nicht direkt mit dem Börsenpreis verglichen werden, so Brandstetter. Die Lieferanten hätten auch Personalkosten und andere Ausgaben zu bestreiten.

Die Energie AG hat ihre Preise nach eigenen Angaben mit 1. Jänner 2010 das erste Mal seit drei Jahren erhöht. Die Studie der Arbeiterkammer hatte den oberösterreichischen Versorger als denjenigen Anbieter ausgewiesen, der im Untersuchungszeitraum den Strompreis mit plus 28 Prozent am stärksten angehoben hat. Laut Energie AG zahlt der durchschnittliche Kunde abzüglich der Netztarifsenkungen seit Jahresbeginn um 4 Euro pro Monat mehr. Die AK hatte im Vergleich mit Juli 2008 für Juni 2010 Mehrkosten in der Höhe von 63 Euro jährlich angegeben.

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