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04.09.2010

Verkauft wird nur, wenn Kunden Daten preisgeben

Dass Firmen möglichst viel über ihre Kunden wissen und sie an sich binden wollen, ist nichts Neues. Üblicherweise wird das im Rahmen von Kundenkarten-Programmen gemacht, die als Ausgleich für die Preisgabe von Daten wenigstens gewisse Vorteile bieten. Eine Wiener Firma für Künstlerbedarf praktiziert das Kundendatensammeln wesentlich kompromissloser: Wer sich nicht mit Namen und Adresse registrieren lässt, dem wird nichts verkauft.

Namen und Adresse
Frau S., die sich zur Zeit in Süditalien aufhält, deckte sich kurz vor ihrer Abreise bei der Wiener Firma Boesner mit Zeichenbedarf ein. Es dauerte eine gute halbe Stunde, bis sie alles beisammen hatte und zur Kassa ging, erzählt sie. Als es ans Bezahlen ging, habe die Dame ihren Namen und ihre Adresse verlangt. Sie wollte ihre Daten nicht hergeben, habe mit der Dame verhandelt, aber nur zur Antwort bekommen, sonst verkaufe sie nichts, sonst könne dieses Geschäft nicht stattfinden, so Frau S.

Keine Hinweise
Frau S. kann sich nicht erinnern, im Eingangsbereich irgendeinen Hinweis gesehen zu haben, dass es ohne Registrierung nichts zu kaufen gibt. Die Information bei der Kasse komme viel zu spät, meint sie, da habe man schon viel Zeit investiert und sei quasi im Zugzwang.

Sie habe das als Zumutung empfunden, weil sie nicht verstehen könne, warum sie gegen ihren Willen in irgendwelche Stammkarteien aufgenommen werden solle und gar nicht wisse, wofür ihre Daten verwendet werden.

Dienst am Kunden
Der Firma Boesner zufolge werden die Daten ausschließlich für interne Zwecke und zum Wohl der Kunden verwendet. Zur Information über neue Angebote und Veranstaltungen und für diverse Service-Leistungen, die von den Kunden sehr geschätzt werden.

Und wörtlich heißt es in der Stellungnahme an help auch noch: "Nach Auskunft des Datenverarbeitungsregisters sowie der Wirtschaftskammer Österreich ist unser Vorgehen gesetzeskonform."

Zustimmung erforderlich
Die Datenschutzexpertin der Arbeiterkammer, Daniela Zimmer, sagt dazu, dass prinzipiell kein Unternehmer einfach nach Lust und Laune Daten seiner Kunden sammeln darf, er braucht dafür eine Rechtsbasis

Das heißt, sagt Zimmer, der Anbieter brauche eigentlich die Zustimmung des Verbrauchers dafür, dass er Identitätsdaten sammeln darf. Und die Zustimmung müsse freiwillig erteilt werden.

Da der Anbieter keine Monopolstellung hat wird aber wohl davon auszugehen sein, dass der Kunde auch unter diesen Gegebenheiten seine Daten mehr oder weniger freiwillig hergibt, meint Zimmer. Der Anbieter sollte seine Kunden allerdings schon im Eingangsbereich darauf aufmerksam machen, dass es ohne Registrierung nichts zu kaufen gibt.

Bedenkliche Entwicklung
Wer sich gegen seinen Wunsch registrieren lässt, kann seine Zustimmung übrigens sofort widerrufen – und zwar einfach und unkompliziert, schreibt der Gesetzgeber vor. Die Daten müssen dann umgehend wieder gelöscht werden.

Also viel Lärm um nichts? Nein, meint Daniela Zimmer:. So ein latenter Zwang, sich in Situationen zu identifizieren, in denen bisher Anonymität möglich war, sei sicher eine bedenkliche Entwicklung.

Um dieser Entwicklung Einhalt gebieten zu können, bräuchte man aber eine rechtliche Handhabe dagegen und die gibt es derzeit nicht.

HELP, das Konsumentenmagazin
Jeden Samstag, 11:40 h, Ö1

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