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"100% Baumwolle" heißt nicht schadstofffrei / Bild: APA
04.09.2010

"100% Baumwolle" heißt nicht schadstofffrei

Das Prädikat "100% Baumwolle" wirkt beruhigend: Baumwolle ist ein Naturprodukt, die Haut wird keinen synthetischen Fasern ausgesetzt und auf unnötige Chemie wird somit verzichtet. Leider ist das ein Trugschluss: auch Textilien aus reiner Baumwolle können sich als Chemiecocktails aus Farbstoffen, Weichmachern und Hilfsstoffen entpuppen.

Formaldehyd im T-Shirt
Wer Kleidung aus 100 Prozent Baumwolle kauft, bekommt mehr als auf dem Etikett angegeben ist, sagt Gabriele Wittner von der Umweltberatung: "Der Rohstoff ist zwar 100 Prozent Baumwolle, aber man kriegt noch viel mehr mit. Das können bis zu 30 Prozent andere Inhaltsstoffe sein, wie zum Beispiel Bleichmittel, Farbstoffe, Farbfixierer oder auch Insektizide."

Oder Fomaldehyd, mit dem nicht nur Leichen konserviert, sondern auch Hemden bügelfrei gemacht werden. Oder Bakterienkiller wie Triclosan, mit denen Schweißgeruch verhindern werden soll. Die Liste lässt sich noch fortsetzen, so Wittner: "Teilweise ist das doch sehr problematische Chemie, vor allem die Farbstoffe können Allergien auslösen, und Allergien sind doch ein großes Thema in unserer heutigen Gesellschaft. Textilien tragen wir direkt auf der Haut, das heißt, die Allergien sind vor allem Hautirritationen, also Hautausschläge."

Inhaltsstoffe nicht ersichtlich
Bedenklich sind dabei vor allem die sogenannten Azo-Farbstoffe, sagt Gabriele Wittner: "Die sind zwar in der Europäischen Union nur noch beschränkt erlaubt, aber trotzdem importieren wir sie auch immer wieder mit in den Textilien, und die sind eben Allergie auslösend, und teilweise auch Krebs auslösend."

Das alles sind Stoffe, die in der Faser selbst enthalten sein können. Aufdrucke können zusätzlich bedenkliche Weichmacher, und sogar extrem giftige organische Zinn-Verbindungen enthalten, wie sie auch in Unterwasseranstrichen von Schiffen zu finden sind. Aufdrucke können vermieden werden, doch an den anderen Stoffen führt fast kein Weg vorbei. Auch der Preis eines Kleidungsstück lässt keinen Schluss auf seine Schadstoffbelastung zu, sagt Gabriele Wittner, und auch auf dem Etikett müssen die verwendeten Inhalts- und Hilfsstoffe nicht angeführt werden.

"Vor dem ersten tragen waschen"
"Was wir von der Umweltberatung empfehlen, ist schon beim Einkauf zu riechen an dem Textil. Wenn das Kleidungsstück ganz intensiv chemisch reicht, dann bitte Finger weg. Und auch unbedingt vor dem ersten Tragen waschen, so einfach das klingt, egal ob Kinderkleidung, Babykleidung oder auch Erwachsenenkleidung, unbedingt vor dem ersten Tragen waschen."

Die größte Sicherheit bietet Kleidung aus zertifizierter Bio-Baumwolle, sagt die Umweltberatungs-Expertin. Auch Biotextilien sind zwar gelegentlich bunt, die Liste der erlaubten Farbstoffe ist jedoch deutlich restriktiver. Allerdings: Ein aktueller Test der Stiftung Warentest hat ergeben, dass manche Anbieter von Bio-Textilien den Weg vom Feld bis zum Handel nicht, wie vorgeschrieben, lückenlos dokumentieren konnten.

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