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Teepflückerinnen / Bild: ORF
15.12.2007

Von der Ethik in der Teeproduktion

Die VKI-Zeitschrift "konsument" beschäftigt sich in ihrer Jänner-Ausgabe mit dem Thema "Kinderarbeit in der Teeproduktion". Wie ist die Situation auf dem österreichischen Markt und wie kann ein Tee-Trinker sicher sein, Produkte zu kaufen, an deren Herstellung keine Kinder beteiligt waren?

Ausgeliefert auf Gedeih und Verderb
Ein Teepflücker bekommt für ein Kilogramm Teeblätter knapp 50 Cent. Wer diesen Tee dann im Supermarkt kauft, legt fast 20 Euro hin. Das große Geld machen also nicht die Arbeiter auf den Plantagen. Ganz im Gegenteil.

Meist sind es Zuwanderer, die den Plantagenbesitzern voll und ganz ausgeliefert sind, sagt "Konsument"-Redakteur Peter Blazek: "Da gibt es Immigranten in dritter und vierter Generation, die von klein auf in der Plantage arbeiten und keine Chance haben, dort wieder rauszukommen."

Kinder besonders gefährdet
Tee wird in China, Indien, Sri Lanka und Kenia immer noch von Hand geerntet, sonst leidet die Qualität, sagen die Erzeuger. Die Arbeit ist zwar einfach, aber anstrengend, vor allem Frauen machen sie und immer noch viele Kinder.

Auf sie lauern Gefahren wie Schlangenbisse, sind sie doch meist barfuss unterwegs, an den Stauden holen sie sich Striemen und Blutergüsse. Viele Teeplantagen liegen auf steilen Gebirgshängen in 3000 Meter Höhe, hohes Fieber ist wegen der Anstrengung oft die Folge.

Kaum Beschäftigung mit dem Thema
In Österreich beherrschen vor allem Twinings und Teekanne den Markt. Twinings hat sich vor zehn Jahren einer Initiative angeschlossen, die sich gegen Kinderarbeit ausspricht. `Zumindest ein Anfang´, sagen die einen. Aber, berichtet "Konsument"-Redakteur Blazek: "Es gibt auch Kritiker, die sagen, eigentlich hat sich in den letzten Jahrzehnten überhaupt nichts verändert. Es gibt immer noch Millionen Kinderarbeiter in der ganzen Welt. In Kenia sind ein Drittel der Teearbeiter Kinder." Denn es hapert, wie so oft, an der Kontrolle.

Der zweite große Anbieter in Österreich, Teekanne, ist nicht Mitglied der Initiative gegen Kinderarbeit, bekennt sich aber zu den zentralen sozialen Themen, heißt es.

Informationen gibt es nicht
Wer als Konsument jedoch etwas darüber wissen will, wie es die Unternehmen mit dem Thema Kinderarbeit halten, der sucht vergebens. Weder auf der Homepage von Twinings, noch auf der von Teekanne finden sich dazu Informationen.

Eine vertane Chance, sagt Peter Blazek: "Die (Unternehmen, Anm.) glauben einfach, das ist nicht gut verkäuflich, das kommt bei den Leuten nicht gut an. Ich glaube, dass die Leute sehr wohl interessiert sind, umso mehr, wenn sie erfahren, dass es keine Kinderarbeit gibt. Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Die Leute werden immer sensibler, also man sollte das Thema nicht unterschätzen. Leider ist es so, dass die österreichischen Firmen das überhaupt nicht zum Thema machen."

Unternehmen verschlafen die Entwicklung
Und das, obwohl etliche Untersuchungen längst bestätigen, dass ethisches Verhalten bei immer mehr Konsumenten eine wesentliche Rolle bei Kaufentscheidungen spielt. Wer wirklich ganz sicher sein will, seinen Tee auch mit gutem sozialen Gewissen genießen zu können, dem bleibt derzeit nur eines: Tee-Produkte mit dem Fairtrade-Logo kaufen.

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