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05.07.2008

Energetiker dürfen keine Kranken behandeln

Rund 70 Prozent aller Österreicher nehmen alternative Heilmethoden in Anspruch. Neben Ärzten mit einer zusätzlichen komplementärmedizinischen Ausbildung bieten auch viele Laien ihre Dienste als so genannte "Energetiker" an. Ihrem Berufsbild zufolge leisten sie eine Hilfestellung zur Erreichung einer körperlichen bzw. energetischen Ausgewogenheit.


Außer um energetische Ausgewogenheit geht es auch um viel Geld. Auf der einen Seite Menschen, die sich ihre Gesundheit durchaus etwas kosten lassen, auf der anderen Seite Laien, die ihre "Ausbildung" in teuren Wochenend-Crashkursen machen und oft aufwendige Geräte anschaffen, die sich rasch amortisieren müssen. Eine Mischung, die gefährlich werden kann.

Keine Ausbildungsnachweise
Nach Schätzungen der Ärztekammer bieten in Österreich rund 15.000 eingetragene Energetiker ihre Dienste an. Es ist ein freies Gewerbe, es gibt dafür keine Ausbildungsnachweise, keine Qualitätssicherung. Es reicht, einen Gewerbeschein zu lösen.

Nur für Gesunde
Zur Wiedererlangung der körperlichen bzw. energetischen Ausgewogenheit setzen Energetiker heilende Steine, Aromaöle, Bachblüten, Teezubereitungen Massagen und vieles mehr ein.

So lange diese Energetiker ihre Anwendungen auf gesunde Menschen beschränken, und ihre Maßnahmen nur dazu dienen, das Wohlbefinden zu erhöhen, ist das zumindest regelkonform.

Grenzüberschreitung
Viele Energetiker kennen ihre Grenzen aber nicht, kritisiert der praktische Arzt und Komplementärmediziner Dr. Christian Plaue, der bei der Wiener Ärztekammer für Komplementärmedizin zuständig ist.

Es gebe eine nicht geringe Anzahl von Energetikern, die nicht nur ihre gesetzlichen Rahmenbedingungen sondern auch ihre Kompetenzen überschreiten, sagt er, indem sie komplexe Krankheitsbilder, die sie von ihrer Ausbildung her gar nicht erkennen können, trotzdem behandelten.

Das Problem für den Patienten sei, dass er nicht differenzieren könne, ob diese Energetiker im Stande sind, diese Dinge zu beurteilen, sagt Plaue.

Messgeräte
Als problematisch beurteilt Dr. Plaue auch diverse Messgeräte, die von Energetikern teuer gekauft und zur Diagnose eingesetzt werden.

Es gebe Messgeräte, die Meridiane an den Endpunkten austesten können und den Energiezustand des Menschen feststellen können. Das Problem sei, dass da oft Diagnosen auf einer Basis gestellt werden, die nicht wirklich wissenschaftlich erwiesen sei und dass vor allen Dingen dann auch Krankheiten konstatiert werden.

Kurpfuscherei
Das Gesetz ist unmissverständlich: Energetiker dürfen keine Diagnosen stellen, keine Kranken behandeln, keine Therapien durchführen. Tun sie es doch, so machen sie sich der Kurpfuscherei schuldig und das ist strafbar.

Seriöse Basis
Abgesehen davon, dass in Österreich rund 3.500 schulmedizinisch ausgebildete Ärzte zusätzlich komplementärmedizinische Therapien mit einer fundierten Ausbildung und Qualitätssicherung anbieten, soll jetzt auch die Zunft der Energetiker auf eine seriösere Basis gestellt werden, sagt Plaue.

Es gebe jetzt Zertifikate, die ersten seien bereits verteilt worden. Das Zertifikat gebe es für eine Grundausbildung, die Ärzte für Energetiker machen, um ihnen ein Basiswissen zu vermitteln. Und auch um ihnen aufzuzeigen, wo die Grenzen für ihre Behandlungsmethoden sind. D.h. jemand, der sich freiwillig dieser Ausbildung unterziehe, zeige schon, dass er den Wunsch hat, in eine seriöse Richtung zu gehen.

Orientierungshilfe
Eine Orientierungshilfe bei der Wahl der Behandlung bietet der Dachverband der Ärzte für Ganzheitsmedizin. 14 Gesellschaften wurden in den Dachverband aufgenommen, weil sie auf eine fundierte Ausbildung und eine Qualitätssicherung verweisen können.

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