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Fragwürdiger Vertrieb von Schulfotos / Bild: APA
05.12.2009

Fragwürdiger Vertrieb von Schulfotos

Vor knapp drei Monaten hat die Praxis eines Schulfotografen für Wirbel gesorgt, Klassenfotos und Portraits zu den Schülern nachhause zu schicken und allen Empfängern, die nicht innerhalb von zwei Wochen die Bilder zurückschickten oder bezahlten, eine Mahnung inklusive zusätzlicher "Erinnerungskosten" zuzustellen. Die Firma hatte damals versichert, diese Praxis künftig zu unterlassen, dennoch bekommen derzeit wieder zahlreiche Haushalte ähnliche Post. Dabei zeigt sich, dass offenbar auch der Datenschutz völlig missachtet wird.


Zahlreiche Wiener Mittelschüler bekamen in den vergangenen Tagen Post von der Salzburger Firma Foto-Sulzer mit Klassenfoto, Portrait-Fotos und einigen anderen mehr oder weniger brauchbaren Fotoprodukten wie Taschenkalender, und Visitenkarten um insgesamt stolze 36 Euro.

In den auch an Unterstufenschüler direkt adressierten Schreiben heißt es: "Wenn Sie mit Ihren Bildern zufrieden sind, bedienen Sie sich einfach des beiliegenden Zahlscheins. Sollten Sie nur einzelne Fotos behalten wollen, so ersuchen wir Sie, die nicht gewünschten Bilder binnen 14 Tagen auf unsere Kosten an uns zurückzusenden. In diesem Fall ermitteln Sie den Rechnungsbetrag aus der Summe der Einzelpreise, wie in den Rechnungsdetails ersichtlich."

Kein Vertragsverhältnis
Das sorgte bei vielen Eltern für Ärger, denn immerhin besteht kein Vertragsverhältnis mit Foto-Sulzer und dementsprechend sind sie weder zum "Herumrechnen", noch zur Bezahlung und auch nicht zur Retournierung der unverlangt zugesendeten Fotos verpflichtet.

"Schriftlich bestellt" – von Kindern
Das österreichweit aktive Fotounternehmen sieht das anders. In einer schriftlichen Beantwortung unserer Anfrage heißt es unter anderem: "Alle Fotos sind ... schriftlich bestellt und damit natürlich auch innerhalb der 14 Tage zu retournieren oder zu bezahlen."

Und weiter wird erklärt: "Für die Bestellung der Bilder tragen sich die Schüler in unsere Bestellliste ein. Auf dieser Bestellliste wird dargelegt, dass wir die Bilder an die angegebene Adresse schicken werden und diese entweder innerhalb von 14 Tagen per Erlagschein bezahlt oder auf unsere Kosten retourniert werden können. Diese Bilder sind daher ... 'gewünscht'. Der undifferenzierte Rat, die Bilder weder zu bezahlen noch zu retournieren, ist laut unseren juristischen Auskünften geschäftsstörend."

Das mag Foto-Sulzer zwar so sehen, tatsächlich können Minderjährige, die sich in irgendwelche Listen eintragen, damit natürlich keinesfalls rechtsgültige Verträge abschließen und daraus resultierende Verpflichtungen eingehen.

Datenschutzverstoß
Doch auch die Verwendung der Privatadressen der Kinder durch den Fotografen ist in dieser Form laut ARGE-Daten-Chef Hans Zeger rechtswidrig: ""Der Schulfotograf muss sich sehr wohl um die Zustimmung jeder einzelnen Person kümmern. Er kann sich hier nicht auf die Schule oder auf einen Elternverein oder auf eine Gruppe von Eltern berufen, um dann die Daten von allen Schülern oder Eltern zu bekommen. Er braucht nach dem Datenschutzgesetz die Zustimmung jeder einzelnen Person, die er dann später anschreiben möchte."

Bei Minderjährigen braucht er natürlich die Zustimmung der Eltern.

"Schutzwürdige" Daten
Auch das Argument des Fotografen, er verwende ja lediglich Name und Adresse und somit keine sensiblen Daten, lässt Datenschützer Zeger nicht gelten: "Der Schulfotograf weiß ja dann in welche Schule ein Kind geht, in welche Klasse es geht, er kann dadurch auch das Alter relative genau feststellen und das sind Zusatzinformationen, die auch für ein Marketing, für Adresshändler von großer Bedeutung sein können."

Und diese Datenkombination ist laut Zeger eindeutig "schutzwürdig".

Ministerium startet Informationskampagne
Die Probleme mit Schulfotografen sind nicht neu, allerdings offenbar vielen Beteiligten – von den Schulen bis zu den Eltern – nicht bewusst. Die Behörden haben nach eigenen Angaben nur begrenzte Möglichkeiten.

Vom Stadtschulrat Wien heißt es etwa, dass Vereinbarungen mit Schulfotografen schulautonome Entscheidungen seien und man nur beratend zur Verfügung stehen könne. Das Unterrichtsministerium hat immerhin angekündigt, aufgrund der ORF-Anfrage jetzt alle Schulen anzuschreiben und auf die rechtlichen Probleme hinzuweisen.

Der Geschäftsführer von Foto-Sulzer selbst hat help gegenüber inzwischen auch versichert, er wolle zumindest die Geschäftspraxis bei Schulkindern unter 14 neu regeln und gesetzeskonform gestalten.

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