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Immer mehr gefälschte Arzneimittel in Umlauf / Bild: APA
15.04.2010

Immer mehr gefälschte Arzneimittel in Umlauf

Im Jahr 2009 wurde weltweit mit Arzneimitteln ein Umsatz von rund 800 Milliarden US-Dollar erzielt. Der Anteil der Fälschungen machte, je nach Anwendungsgebiet, sieben bis 15 Prozent aus. Am stärksten boomt der Handel mit gefälschten Medikamenten im Internet.


Das Gesundheitsministerium und die Pharmaabteilung der Agentur für Ernährungssicherheit (AGES PharmMed) starten deshalb eine Informationskampagne über die Gefahren gefälschter Medikamente.

Dopingmittel
Das AGES Kontrolllabor hat im vergangenes Jahr 593 Proben von Arzneimitteln illegaler Herkunft untersucht, 70 bis 80 Prozent kamen aus dem Dopingbereich.

Von der Soko-Doping seien der AGES insgesamt mehr als 700 Proben übergeben worden, sagt Andreas Mayrhofer, Chef des AGES Kontrolllabors. 70 Prozent davon seien Anabolika und Wachstumshormone gewesen, wobei nur fünf Prozent für den Spitzensport gedacht waren, 95 Prozent für Hobbysportler.

Zu toxisch
Bei den illegal hergestellten Substanzen würden die Produzenten - vor allem in China, Indien, Hongkong und Brasilien - zunehmend auf patentgeschützte Stoffe zurückgreifen, die es nicht bis zum Arzneimittel schafften, weil sie zu toxisch waren. Das sei eine Goldmine für die Kriminellen, meint Mayrhofer.

Hitliste
Bei Medikaentenfälschungen stehen Life Style-Produkte weltweit an erster Stelle - vor allem Erektionsmittel, Medikamente zum Abnehmen und Mittel gegen Haarausfall. An zweiter Stelle rangieren bereits die Doping-Substanzen, gefolgt von Narkotika und psychotropen Substanzen.

High-Tech
Die illegalen Produzenten würden auch immer mehr Produkte anbieten, die nur mit Hilfe von High-Tech herzustellen sind, sagt Mayrhofer. So tauchte in Österreich z. B. Melanotan auf, ein synthetisches Peptid, das zu tiefer Hautbräunung führt. Die Herstellung eines solchen Peptids ist laut AGES 'State of the Art'.

Internet und Schmuggler
Der Handel mit gefälschten Medikamenten läuft entweder über Schmuggler oder über das Internet. Internet-Handel mit Medikamenten ist in Österreich verboten. Aber Mittelchen, die keinen Wirkstoff, den falschen oder in falscher Dosierung enthalten, sind im Web echte Renner, sagt Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ).

Es sei zu bemerken, dass gerade dubiose Vertriebswege im Internet mit Arzneimitteln boomen, ohne dass die Sicherheit gewährleistet werden könne. Es sei bedenklich, dass die Zahl der Fälschungen steige und immer mehr wirksame und lebensrettende Arzneimittel von Fälschungen betroffen seien.

Medikamenten aus österreichischen Apotheken seien hingegen sicher. Im neuen Arzneiwaren-Einfuhrgesetz soll die Registrierung aller importierten Arzneimittel im Bundesamt für die Sicherheit im Gesundheitswesen festgelegt werden.

Risiko für Verbraucher
In den offiziellen Vertriebsschienen Österreichs für Arzneimittel - vom Hersteller bis zur Apotheke - wurden bisher keine Fälschungen entdeckt.

Pharmig-Generalsekretär Jan Oliver Huber weist darauf hin, dass Arzneimittelfälschungen das Leben und die Gesundheit der Konsumenten gefährden. Außerdem seien sie und sind ein Angriff auf das solidarische Gesundheitswesen, da sie das Vertrauen der Menschen in Medikamente untergraben.

Arbeiterkammer-Konsumentenschützer Harald Glatz führt die Entwicklung auch auf einen gesellschaftlichen Trend zurück: eine "Medikalisierung der Gesellschaft".

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