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16.06.2010

AwD vermeidet Verurteilungen

Neben fünf Sammelklagen für rund 2.500 Geschädigte und einem Streitwert von rund 40 Millionen Euro führt der Verein für Konsumenteninformation (VKI) gegen den Finanzdienstleister AwD auch acht Musterprozesse. Mit dem Ziel, den Gerichten rascher als im Rahmen von Sammelklagen die Konsequenzen der "systematischen Fehlberatung" für geschädigte Kleinanleger deutlich zu machen. Der AwD vermied bisher in vier Fällen Verurteilungen, indem er meist kurz vor entscheidenden Verhandlungen Vergleiche anbot, die die Geschädigten nicht ausschlagen konnten.


Bei den Sammelklagen zeigt der AwD hingegen keine Bereitschaft zu Vergleichen.

100 Prozent Entschädigung
Eine heute 91-jährige Konsumentin hatte vor rund zehn Jahren auf Anraten eines AwD-Beraters ihre Ersparnisse in "sicheren" Immofinanzaktien angelegt und den Großteil des Geldes verloren.

Der AwD bezahlte ihr den gesamten Schaden und die Kosten des Verfahrens. Der Finanzdienstleister wollte den VKI zur Geheimhaltung über den Vergleich verpflichten, was von den Konsumentenschützern aber abgelehnt wurde.

Es könne nicht akzeptiert werden, dass der AwD Beratungsfehler immer bestreite und versuche, gegenteilige Verfahrensergebnisse mit Geld unter den Teppich zu kehren, sagt Peter Kolba, der Leiter des Bereiches Recht beim VKI.

70 Prozent Entschädigung
Einer Familie aus Niederösterreich hatte der AwD zwar schon im Dezember 2008 einen Schadenersatz in Aussicht gestellt, aber es kam kein konkretes Angebot. Daher hat der VKI für diese Familie geklagt. Der AwD-Berater hatte den Konsumenten eingeredet, das vorhandene Kapital für ein Einfamilienhaus nicht in den Kauf des Grundstückes sondern in Immofinanzaktien zu investieren. Es sollte dafür ein höherer Fremdwährungskredit aufgenommen werden, der durch die tolle Performance der "mündelsicheren Immobilienaktien" zurückgezahlt werden könne.

Eine Rechnung, die spätestens im Herbst 2008 nicht mehr aufgehen konnte. Nun hat der AwD rund 70 Prozent des Schadens (79.000 Euro) und Prozesskosten von rund 20.000 Euro bezahlt. Der Vergleich wurde laut Kolba am Vorabend der entscheidenden Gerichtsverhandlung angeboten.

70 Prozent Entschädigung
Eine Mutter musste nach dem Tod ihres Gatten das Erbteil der beiden minderjährigen Kinder anlegen. Ein AwD-Berater empfahl der völlig unerfahrenen Mutter das Geld in die "mündelsicheren" Immofinanzaktien zu investieren.

Im Herbst 2008 war der Erbteil fast zur Gänze verloren. Der VKI klagte auch hier auf Rückzahlung des Kaufpreises gegen Herausgabe der Aktien. Der AwD bot hier ebenfalls rund 70 Prozent des Differenzschadens und die Zahlung der Kosten des Verfahrens an. Auch dieser Fall wurde daher ohne Urteil, aber durchaus im Sinn der Kläger geregelt.

Großzügiger Vergleich
Einen großzügigen Vergleich schloss der AwD auch mit einer Oberösterreicherin mit spastischer Lähmung. Allerdings erst vor Gericht. Außergerichtliche Interventionen des VKI waren zunächst erfolgslos geblieben.

Verzögerungstaktik
Laut VKI habe das zentrale Argument des AwD gegen die Sammelklagen des VKI bisher immer gelautet, der AwD kenne die Fälle nicht und könne diese nicht prüfen. Wenn in Einzelfällen falsch beraten worden sei, würde der AwD Schadenersatz leisten.

Der AwD habe bisher auf das Vorbringen des VKI zu allen Sammelklägern aber in keiner Weise reagiert, sagt Kolba. Die Konsumentenschützer hätten daher den Eindruck, dass es dem AwD immer noch darum gehe, sich durch lange Streitereien um die Zulässigkeit von Sammelklagen sowie weiterer Ablenkungsmanöver aus der Verantwortung zu stehlen. Man sei gespannt, wie lange der Eigentümer des AwD – die Schweizer Swiss Life – diese Strategie noch mittrage.

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