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25.02.2006

Gratis kann teuer werden – Abzocke im Internet

Die Masche der Internet-Abzocker ist immer gleich: In großer Schrift und bunten Farben werden Gewinnspiele beworben oder Gratisangebote versprochen. Wer darauf eingeht, bekommt nach einigen Tagen eine unerwartete Überraschung: die vermeintlichen Umsonst-Anbieter verlangen auf einmal bares Geld. Einige dieser dubiosen Gratis-Seiten haben es bereits in die Schlagzeilen geschafft, doch fast wöchentlich kommen neue Seiten hinzu.

"Eintragen, einloggen, simsen"
Der Internetdienst Simsen.de ist der jüngste Fall, der für Schlagzeilen sorgte. Die Homepage ist poppig gestaltet und simpel gehalten. Wer sich anmeldet, bekommt nicht nur 100 Gratis SMS, sondern auch noch die Chance, ein Handy zu gewinnen, heißt es vollmundig. Eintragen, einloggen, simsen - fertig.

Dass bei der Anmeldung ein Vertrag eingegangen wird, erfährt der Konsument meist erst in einem späteren Email: Der vermeintliche Gratis-Dienst soll 84 Euro pro Jahr kosten, oft folgt schon wenige Tage später ein Mail eines Inkassobüros, dann sollen bereits rund 160 Euro fällig sein.

Versteckte Hinweise im AGB-Dickicht
Nach diesem Muster verfahren viele angebliche Gratis-Angebote. "Gerade dann, wenn solche Seiten sehr verlockend klingen, sollte man sich nicht dazu hinreißen lassen, schnell seine Daten in irgendein Onlineformular einzutragen. Man sollte sich wirklich die Zeit nehmen, die jeweiligen Bedingungen der angebotenen Dienstleistungen genau durchzulesen, um sich ein Bild von der Situation zu machen", rät Micheal Dunkl von der Arbeiterkammer Niederösterreich.

Der Hinweis auf anfallende Kosten findet sich meist nur versteckt in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die von den wenigstens beachtet werden. Beschwerden von Kunden bleiben oft unbeantwortet, erst auf massiven Druck von Konsumentenschützern und Medien werden, wie im Fall Simsen.de, Kunden aus den Verträgen entlassen. Gegen den Betreiber von Simsen.de ermittelt die Staatsanwaltschaft Wien wegen Betrugs.

Neue Seite, alte Masche: Probino.de lebt
Gratis-Angebote sind selten wirklich umsonst. Oft geht es den Betreibern darum, persönliche Daten zu sammeln, in anderen Fällen wird ein vermeintliches Gratis-Angebot in eine kostenpflichtige Dienstleistung umgewandelt – und das gelegentlich am Rande der Legalität. Gegen den deutschen Betreiber der Seite Probino.de etwa ermittelt die Staatsanwaltschaft Wiesbaden, neben dem Verdacht auf Betrug, auch wegen Verstößen gegen eine Reihe von Datenschutzbestimmungen.

Probino.de wird mittlerweile von einem österreichischen Unternehmen, der Opulentia EDV-Dienstleistungs Gmbh, betrieben. Auf Probino.de werden derzeit zwar keine neuen Anmeldungen angenommen, dafür hat die Firma eine neue Seite aufgestellt: Probenzauber.de. Die Masche scheint sich jedoch nicht geändert zu haben, erste Beschwerden über unberechtigte Zahlungsaufforderungen haben HELP bereits erreicht.

Internetbetrug: Erst Datenklau, dann Rechnung (19.11.2005)

Screenshot als Beleg
Grundsätzlich gilt: Persönliche Daten sollten nicht freizügig preisgegeben werden. Auf keinen Fall sollten, wie auf manchen Seiten gefordert, Kontonummer und Bankleitzahl angegeben werden.

"Wer sich trotz allem dazu entschließt, sich bei solchen Diensten einzutragen, sollte seine Position in so fern absichern, indem zum Beispiel Screenshots angefertigt werden. Es sollten auch die allgemeinen Geschäftsbedingungen ausgedruckt werden, damit man in einem Streitfall seine Position entsprechend stärken kann", so Experte Michael Dunkl.

Denn ein Unternehmen muss seinerseits beweisen können, dass ein gültiger Vertrag zustande gekommen ist.

Rücktrittsfrist von bis zu drei Monaten
Es ist grundsätzlich möglich, Verträge über das Internet abzuschließen. Der Kunde hat hier allerdings gesetzlich festgeschriebene Rechte. So kann innerhalb von sieben Werktagen von einem elektronisch zustande gekommenen Vertrag ohne Begründung zurückgetreten werden.

Ein Dienstleistungsanbieter unterliegt außerdem einer Bestätigungs- beziehungsweise Informationspflicht nach Vertragsabschluss. "Sollte er gegen diese verstoßen, so kann sich diese Rücktrittsfrist auf bis zu drei Monate verlängern", betont Michael Dunkl.

Bei dubiosen Internet-Verträgen besonders relevant: Verträge, die von Minderjährigen abgeschlossen werden, sind in den meisten Fällen nicht gültig.

Die Arbeiterkammer Niederösterreich hat eine Email-Adresse eingerichtet, unter der verdächtige Websites gemeldet werden können:

dubioses@aknoe.at

HELP, das Konsumentenmagazin
Jeden Samstag, 11:40 h, Ö1

Link öffnenhelp@orf.at

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