Logo Arbeiterkammer
Hauptnavigation weiter zur Übersicht aller aktuellen Tests nützliche Links und hilfreiche Adressen zur Startseite
zur Übersicht aktueller News
05.05.2006

Heftige Kritik an EU-Fernsehrichtlinie

Konsumentenschützer aus Österreich und Deutschland kritisieren die geplante EU-weite Lockerung von Werberegeln im Fernsehen. Die unabhängige TV-Information sei in Gefahr, heißt es.


AK-Konsumentenschützer und ORF-Publikumsrat Harald Glatz erklärte bei einer Veranstaltung der Arbeiterkammer: "Werden Produkt- und Themenplatzierungen gegen Entgelt erst einmal richtig salonfähig, wird unabhängige TV-Information mit der Lupe zu suchen sein."

Glatz ist daher strikt gegen die Kommissionspläne, Produktplatzierungen in Sendungen zuzulassen, weil die Grenzen zwischen Information und Unterhaltung unscharf würden. Kritisch sieht er auch die Ausweitung der Werbezeiten.

Internationale Trends
Aus Sicht der EU-Kommission kann sich Europa globalen Trends – wie etwa den in den US-Programmen gängigen Produktplatzierungen (Product Placement) – nicht länger entziehen.

Außerdem hält die Kommission viele Werbebeschränkungen für veraltet, weil das klassische Fernsehen Konkurrenz in Form von TV-Diensten auf Abruf im Internet oder am Handy erhält. Daher habe man vor, die Werberegeln für Fernsehwerbung zu lockern.

Kleiner Schritt zur Irreführung
Harald Glatz betonte bei der AK-Diskussion zum Thema: "Fernsehen trägt wesentlich zur öffentlichen Meinungsbildung bei und hat auch Erwartungen als Kultur-, Informations- und Bildungsträger zu erfüllen." Er wende sich daher gegen Product Placement als zulässige Werbeform.

Der Schritt zur Schleichwerbung, also Irreführung, sei oft nur ein kleiner. Die Grenzen zwischen Information und Unterhaltung würden zunehmend verwischt, es sei davon auszugehen, dass die Trennung von redaktionellen und Werbeaktivitäten zunehmend schwieriger würde und verschwimme, so die Befürchtung.

Werbespitzen bei hohen Einschaltquoten
Heikel sieht der Konsumentenschützer und ORF-Publikumsrat auch die Ausweitung der Werbezeiten wodurch tägliche Limits gestrichen werden sollen: "Es ist zu erwarten, dass bei attraktiven Sendungen, wenn die Einschaltquote am höchsten ist, in kürzeren Abständen geworben wird."

Strikte Trennung und Verbote gefordert
Um Konsumenten zu schützen, verlangt die AK Regeln für neue, aufdringliche Werbeformen, beispielsweise für Split Screen. Dabei ist das TV-Gerät zweigeteilt, auf der einen Seite sieht man Werbung, auf der anderen einen Film. Werbung und redaktionelle Inhalte müssten strikt getrennt bleiben. Außerdem sollten TV-Spots für ungesunde Lebensmittel im Kinderprogramm verboten werden.

Kritik auch aus Deutschland
Auch der stellvertretender Vorstand des Bundesverbands der deutschen Verbraucherzentralen, Patrick von Braunmühl, ist für ein Verbot von Produkt- und Themenplatzierung zu Werbezwecken – analog zum Schleichwerbungverbot.

Von Braunmühl warnt: "Die Vorschläge der Kommission gefährden den von wirtschaftlichen Interessen unabhängigen Journalismus und damit auch die Glaubwürdigkeit des Fernsehens." Medien seien keine Ware nach dem Prinzip, wer zahle, schaffe an, so der Experte.

externen Link öffnenAK: EU-Fernsehrichtlinie schützt Konsumenten nicht ausreichend

Artikel lesenEU-Fernsehrichtlinie: Werbeflut befürchtet (02.05.2006)

ORF

Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick

ORF