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Neue EU-Regeln für "gesunde" Lebensmittel / Bild: APA
16.05.2006

Neue EU-Regeln für "gesunde" Lebensmittel

Das EU-Parlament hat zwei Verordnungen abgesegnet, mit denen Lebensmittel-Kennzeichnungen wie "macht schlank", "light", "fettarm", "cholesterinsenkend" etc. sowie die Kennzeichnung von Vitamin- oder Mineralzusätze EU-weit einheitlich geregelt werden sollen.


EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou sprach von einem "wichtigen Schritt im langen Kampf für gesündere Ernährung" und einem Kompromiss, "der die Industrie nicht belastet und dem Konsumenten nützt".

"Selbst-Tests" nicht zumutbar
Man könne vom Konsument nicht verlangen, dass er daheim sitze und Tests durchführe, ob ein Produkt den Cholesterinspiegel erhöht oder nicht, sagte Kyprianou auf Vorwürfe der Überregulierung.

Die EU-Kommission habe versucht das Problem über eine Plattform mit der Industrie zu lösen, das habe jedoch nicht funktioniert.

Umstrittene Werbung "inflationär"
SPÖ-Europaabgeordnete Karin Scheele betont, "gesundheits- oder nährwertbezogenen Angaben auf Lebensmitteln", wie die Slogans im Fachjargon heißen, seien in den vergangenen Jahren "inflationär" geworden.

Es gehe jedoch nicht um die Einteilung in gute und schlechte Lebensmittel, "sondern nur darum zu verhindern, dass zu fette, zu salzige oder zu süße Produkte als gesund gekennzeichnet werden", so Scheele.

Obergrenzen für Fett Zucker und Salz
Künftig gilt für die Bezeichnung "fettarm" etwa eine Obergrenze von drei Gramm Fett pro 100 Gramm oder 1,5 Gramm pro 100 Milliliter, für "zuckerarm" fünf Gramm Zucker auf 100 Gramm oder 100 Milliliter.

Entsprechende Werbe-Angaben dürfen in Zukunft auf Joghurt, Snacks, Wurst etc. nur noch draufstehen, wenn sie die Grenzwerte bei Zucker, Fett bzw. Salz einhalten bzw. bei nicht mehr als einem dieser drei Inhaltsstoffe überschreiten.

Beschriftungsvorschriften
Ist ein Produkt zwar "light", enthält aber trotzdem viel Zucker (oft bei Joghurts der Fall), muss der Zuckergehalt in gleicher Größe wie "light" vermerkt werden. Direkt gesundheitsbezogene Botschaften wie "Senkt den Cholesterinspiegel" oder "Reduziert das Herzinfarktrisiko" dürfen bei zu viel Fett, Zucker oder Salz in einem Produkt überhaupt nicht mehr verbreitet werden.

Die entsprechenden Grenzwerte muss die Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für jede Produktgruppe in den nächsten zwei Jahren festlegen. Danach müssen die Unternehmen ihre Produkte registrieren.

Regelung für Vitamin- und Mineralzusätze
Stark auswirken wird sich laut SPÖ-Abgeordnete Scheele auch die Verordnung für Vitamin- und Mineralzusätze in Nahrungsmitteln. Im Anhang der Verordnung sind taxativ jene Vitamine und Spurenelemente aufgelistet, die zugesetzt werden dürfen.

Andere "Stoffe" in Produkten, wie etwa auch das in Red Bull enthaltene Taurin müssen sich einer Prüfung bei der EFSA unterziehen. Diese kann sie frei gegeben, eingeschränkt zugelassen oder auch verbieten.

Artikel lesenRed Bull muss von EU-Behörde überprüft werden

Nicht nur Jubel
Kritisch zu den beiden beschlossenen Verordnungen äußerte sich der ÖVP-EU-Parlamentarier Richard Seeber. Das große Problem Fettleibigkeit bei Kindern werde man damit nicht in den Griff bekommen. Die Mitgliedstaaten würden sich seiner Meinung nach durch eine solche "Feigenblatt"-Regelung aus der Veranwortung stehlen.

Die deutsche Abgeordnete im EU-Parlament Renate Sommer sprach von einer Entmündigung der Bürger. Es sei außerdem "falsch und dumm" einzelne Lebensmittel zu bewerten, weil niemand nur Cornflakes esse. Es sei wissenschaftliche nicht beweisbar, dass Werbung an den falschen Ernährungsgewohnheiten schuld sei.

Ihre Fraktion werde dem Kompromiss zwar zustimmen, überlege aber, die deutsche Regierung zu bitten, eine Klage gegen die Verordnung zu prüfen.

AK-Kritik schon im Vorfeld
Die Konsumentenschützer der Arbeiterkammer haben bereits vor der heutigen Entscheidung den Kompromiss kritisiert.

Sie bemängeln, dass auch auf fetten, süßen und salzigen Produkten mit gesundheitsbezogenen Angaben geworben werden dürfe, wenn gleichzeitig auch darauf hingewiesen werde, dass sie zu fett, zu süß oder zu salzig sind.

externen Link öffnenEU-Parlament: Einigung zu Nährwertprofilen und Zusatzstoffen bei Lebensmitteln

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