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13.01.2007

Unglaublicher Kartenpreisaufschlag

Kartenbüros verlangen für ihre Dienste Aufschläge und Gebühren. Und die liegen, wie eine vor drei Jahren durchgeführte Erhebung der AK zeigte, je nach Kartenbüro zwischen fünf und 30 Prozent.


Aber weder sind diese Aufschläge immer transparent, noch kann man sich darauf verlassen, dass man nicht auch total willkürlich anmutende Preise verrechnet bekommen kann.

Vier Karten für 168 Euro
Ein Besuch der Volksoper sollte der krönende Abschluss eines Wienbesuches Mitte Dezember sein, weshalb die Münchnerin Michaela L. Anfang November für sich und Freunde vier Karten für eine Vorstellung der "lustigen Witwe" per Internet beim Wiener Kartenbüro Vienna Classic bestellte.

Der Gesamtpreis für die Kategorie 3–Karten machte inklusive zehn Prozent Mehrwertsteuer sowie Vorverkaufsgebühren 168 Euro aus. Abzuholen waren die Karten an der Abendkassa, erzählt Frau L.:

"Das ging alles problemlos. Und als wir schon Platz genommen hatten, fiel meiner Freundin auf, dass der Preis von 16 Euro 50 auf den Karten stand."

Das 2,5-Fache bezahlt
Frau L. wunderte sich, hatte sie doch pro Karte 42 Euro bezahlt.

"Ich fand es ein bisschen überteuert, weil es gibt ja in München auch so Kartenvermittlungsstellen für irgendwelche Konzertkarten oder Opernkarten, und da ist so die Vermittlungsgebühr etwa 20 Prozent. Aber das 2,5-Fache ist ein bisschen viel."

Noch dazu, da in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Online Ticket Office zu lesen ist, dass "die bekannt gegebenen Veranstaltungspreise je nach Veranstalter zwischen 0 bis 25 % über dem auf der Karte aufgedruckten Preis liegen können."

Unternehmen unterliegen Preisauszeichnungsgesetz
Help-Rechtskonsulent Sebastian Schumacher stellt zuerst einmal klar, dass alle Unternehmen dem Preisauszeichnungsgesetz unterliegen.

"Theaterkartenbüros sind dazu verpflichtet, klar anzugeben, wie viel Prozent sie auf den Nettopreis eines Tickets als Gebühr aufschlagen."

Grundsätzlich dürfen Zusatzkosten - zum Beispiel Versandkosten - verrechnet werden; jedoch muss für Kunden nachvollziehbar sein, wie es zum Endpreis kommt.

Ermäßigung wird an Kunden weitergegeben
In einer Stellungnahme an HELP schreibt "Vienna Classic", dass man als Großkunde bei den Bundestheatern für die Bestellungen Gutpunkte bekommt:

"Die dann bei Bestellungen angerechnet werden, wobei dies eher nach dem Zufallsprinzip stattfindet. Dies geht dann so vor sich, dass wir bei einer Bestellung Karten zum Normalpreis auswählen, und der Preis der Karte reduziert wird. Wir geben diese Ermäßigung aber an den Kunden weiter."

Wieso diese Ermäßigung an Frau L. nicht weitergegeben und das 2,5-Fache des aufgedruckten Preises verrechnet wurde, wird so erklärt:

"Vor Weihnachten war sehr viel zu tun, und es kann passieren, dass diese Preisreduktion bei der Bearbeitung übersehen wird. Frau L. hat in unserem Fall eine um 50% billiger gekaufte Karte bekommen, ohne dass wir dies berücksichtigt haben, dadurch kam es zur großen Diskrepanz bezüglich dem Kartenpreis und dem tatsächlich bezahlten Preis."

Nach der help-Anfrage wurde der Berechnungsfehler korrigiert und Frau L. bekam 86 Euro 50 rücküberwiesen.

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Jeden Samstag, 11:40 h, Ö1

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