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02.06.2007

Eigenwillige Auslegung der Gewährleistung

Ein Basiswissen in Sachen Gewährleistungsrecht sollte eigentlich von jedem erwartet werden können, der täglich mit Kunden zu tun hat – speziell von Mitarbeitern großer Handelsketten.


Wie die Praxis zeigt, gibt es aber viele Spielarten bei der Bearbeitung von Kundenreklamationen, die allerdings eines gemeinsam haben: der Kunde ist immer im Nachteil.

Keine Anzeige am Display
Als "Belohnung" für einen Zweijahresvertrag bei Telering bekam Kilian Franer aus Wien bei Hartlauer ein Handy von Sony Ericcson zu einem Vorzugspreis.

Schon bald nach dem Kauf funktionierte am Display die Anzeige über die Beendigung des Akku-Ladevorganges nicht mehr. Ein ärgerlicher Fehler, schildert der Konsument, denn weder in der Bedienungsanleitung noch im Geschäft bekam er die Information, wie lange der Akku geladen werden musste. Bei nicht vollständiger Ladung werde der Akku schneller kaputt.

Erfolglose Reparaturen
Herr Franer brachte das Handy zu Hartlauer zur Reparatur, bekam es nach zwei Wochen zurück, der Mangel trat wieder auf. Ein Vorgang , der sich noch zwei Mal wiederholte. Nach allen drei Reparaturversuchen bekam er das Handy mit dem selben Fehler zurück. Verständlicherweise stimmte Herr Franer einem vierten Reparaturversuch nicht mehr zu.

Neuer "Lösungsvorschlag"
Nach langem Hin und Her bot Hartlauer Herrn Franer ein Austauschhandy, das viel weniger konnte und auch viel billiger gewesen wäre als sein Handy. Das habe er nicht akzeptiert, erzählt Herr Franer.

Worauf sich auch sein Mobilfunkbetreiber Telering mit einer E-Mail einmischte in der stand: " Erfüllungsgehilfen von Telering, insbesondere Fachhändler, haben keine Vollmacht zum Abschluss von außerordentlichen Vereinbarungen mit dem Kunden. Es ist daher erforderlich, dass Sie Ihr Mobiltelefon nochmals einsenden."

Gewährleistungsrecht
Was Telering als "außerordentliche Vereinbarungen" ansieht, sind für Help Rechtskonsulent Sebastian Schumacher schlicht und einfach Grundvoraussetzungen des Gewährleistungsrechtes. Denn auch wenn bei einem Handykauf ein Vertrag mit einem Mobilfunkbetreiber abgeschlossen werde, sind die Gewährleistungsansprüche gegenüber dem Händler geltend zu machen, erklärt der Jurist.

Kilian Franer hat bei der Reparaturabwicklung weit mehr Geduld bewiesen, als der Gesetzgeber vorsieht.

Wahlrecht
Bei der Gewährleistung könne es sich ein Konsument nämlich aussuchen, ob er zunächst den Austausch oder die Reparatur eines Gerätes will, so der help-Rechtskonsulent.

Dieses Wahlrecht kommt nur dann nicht zum Tragen, wenn der sofortige Austausch für den Händler aus wirtschaftlichen Gründen unzumutbar wäre.

Akzeptabler Austausch
Drei Reparaturversuche sind laut Rechtskonsulent auf jeden Fall zu viel. Schon wenn ein Reparaturversuch scheitert, kann ein Konsument den Austausch des Gerätes verlangen.

Ob es die Intervention von Help war oder ein Schnellkursus im Gewährleistungsrecht können wir nicht sagen – aber Kilian Franer bekommt jetzt ein neues Handy, das vom Modell her nicht schlechter ist, als sein altes.

HELP, das Konsumentenmagazin
Jeden Samstag, 11:40 h, Ö1

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