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09.02.2008

20-Euro-Opernkarten um 168 Euro

Wer Karten über ein Kartenbüro kauft, muss mit einer zusätzlichen Bearbeitungsgebühr rechnen. Wenn das Vermittlungshonorar aber das X-fache des Kartenpreises ausmacht, und man für den extrem hohen Kartenpreis zwei "Billig-Tickets" mit Sichteinschränkung erhält, muss man das als Kunde nicht akzeptieren.


Herr T. aus Niederösterreich wollte sich und seiner Ehefrau zur silbernen Hochzeit etwas ganz besonderes schenken: Einen Opernabend im Teatro La Fenice in Venedig. So bestellte er bereits im März des Vorjahres über das deutsche Internet-Kartenbüro "Ticket & Tour" zwei Karten für den 27. Oktober.

Erhöhung auf 168 Euro
Bei der Bestellung wurde von Herrn T. ein Preislimit von maximal 120 Euro pro Karte angegeben. Um diesen Preis, so dachte der Kunde, werde man "eher bessere" Karten bekommen.

Dann geschah – abgesehen von einer Buchungsbestätigung – lange nichts, bis im Juni ein Anruf vom Kartenbüro kam. Man käme mit dem Budget nicht aus, hieß es, und so stimmte Herr T. einer Erhöhung auf 168 Euro pro Opernkarte zu.

"Billig-Tickets" vier Tage vor der Aufführung
Wenig später kam die Rechnung und das Geld für die Tickets wurden auch gleich vom Visa-Konto abgebucht. Dann geschah wieder lange nichts. Erst am 23. Oktober, also vier Tage vor der Opernaufführung, kamen die Karten per Post.

Allerdings nicht die erhofften, schildert der Kunde: "Wir haben zu unserem Entsetzen zwei Karten a Euro 20 vorgefunden und noch dazu stand auf der Karte drauf "scarsa visibilita", was sie auf Deutsch mit "eingeschränkter Sicht" übersetzen können."

Herr und Frau T. kontaktierten sofort das Kartenbüro. "Wir haben gesagt, wir wollen ordentliche Karten haben, die wir auch bestellt haben und Ticket & Tour hat sich bereit erklärt, sich drum zu kümmern."

50-Euro-Gutschein als "Entgegenkommen"
Nachdem dies erfolglos blieb, verlangte Herr T. die Vertragsauflösung und wollte den Kaufpreis zurück – doch auch das blieb erfolglos. So gab es beim Venedig-Besuch zur Silbernen keinen Opernbesuch.

Zurück in Österreich wurde neuerlich reklamiert und Ticket & Tour erklärte in einer E-Mail: "Gerne würden wir auf Sie noch zukommen und Ihnen einen Gutschein von 50 Euro zusenden."

Was Herr T. angesichts von gezahlten 336 Euro für zwei 20-Euro-Karten als Hohn empfand.

Tauchstation statt Problemlösung
Und ab da geschah dann überhaupt nichts mehr, schildert Herr T.: "Die sind seither auf Tauchstation gegangen und wir haben keinerlei Reaktionen auf unsere E-Mails bekommen."

Die Tauchstations-Taktik wandte Ticket & Tour auch gegenüber help an. Auf zwei E-Mail-Anfragen gab es zwar jeweils Lesebestätigungen, aber nie eine Reaktion.

Schwerer Mangel
Rechtlich ist die Angelegenheit allerdings sehr klar, sagt help-Jurist Sebastian Schumacher: "Dass die Opernkarten nur für einen Sitzplatz mit einer eingeschränkten Sicht sind, das ist ein Umstand, auf den hätte das Kartenbüro die Konsumenten aufmerksam machen müssen."

Da dies ausblieb, liegt ein schweren Mangel mit entsprechenden Konsumentenansprüchen vor, betont Schumacher; "Da trotz der Aufforderung innerhalb der gesetzten Frist keine besseren Karten zur Verfügung gestellt wurden, ist hier eine Wandlung des Vertrages angebracht. Das bedeutet, es muss der gesamte Kaufpreis für die Karten zurückbezahlt werden."

Doch da Ticket & Tour nach wie vor auf Tauchstation ist, bleibt dem Ehepaar T. nur der Rechtsweg. Und da ihnen eindeutig die Rückzahlung der vollen Summe zusteht, ist die Frage nach der Zulässigkeit eines 740%-Preisaufschlages für die Tickets für den konkreten Fall gar nicht mehr relevant.

HELP, das Konsumentenmagazin
Jeden Samstag, 11:40 h, Ö1

Link öffnenhelp@orf.at

Artikel lesenEnormer Preisaufschlag bei Theaterkarten (01.12.2007)

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