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05.04.2008

Unerwünschte Werbeanrufe samt Klagsdrohung

Unerwünschte telefonische Werbung muss man sich nicht gefallen lassen. Es kann aber passieren, dass der berechtigte Widerstand gegen diese lästige Form der "Kundensuche" auch noch zu unerwünschten Nebeneffekten führt: Etwa wenn der Anrufende auf das völlig berechtigte Zurückweisen der Belästigungen mit völlig unberechtigten Klagsdrohungen reagiert.


Erich P. hat einen Telefonanschluss der Telekom Austria und telefoniert über den alternativen Anbieter Tele2. Vor kurzem klingelte bei ihm wieder einmal das Telefon. Es meldete sich eine Dame im Auftrag von Tele2, die zum wiederholten Male versuchte, Herrn P. ein neues Produkt schmackhaft zu machen.

Serie von unerwünschten Anrufen
Er unterbrach ihren Werbe-Redefluss und erklärte nach eigenen angaben: "dass das der fünfte Anruf ist, dass ich diese Anrufe nicht wünsche und dass ich den vier vorherigen Anrufern schon gesagt habe, dass ich diese Anrufe nicht wünsche".

Sollte das weiterhin nicht respektiert werden, würde Herr P. weitere Schritte unternehmen. Sprach's und legte auf.

Vorgesetzter "verteidigt" Anruferin
Ein paar Minuten später läutete das Telefon und ein Herr meldete sich und erklärte, "er wäre der Vorgesetzte dieser Dame und sie wäre in Tränen aufgelöst und ich hätte sie fürchterlich beleidigt", erinnert sich der Kunde.

Herr P. hatte nach seiner Schilderung ziemliche Mühe, den aufgebrachten Herrn zu unterbrechen, doch schließlich gelang auch dies "und habe ihm gesagt, dass das der sechste Anruf jetzt ist und dass ich diese Anrufe nicht wünsche und dass sie mich gefälligst in Ruhe lassen sollen".

Sprach's und legte abermals auf.

Klagsdrohung mit Tonbandmitschnitt als Beweis
Doch wenig später klingelte das Telefon schon wieder. Diesmal hob Frau P. ab und nun wurden dieser heftig Vorwürfe gemacht, weil die Callcenter-Mitarbeiterin angeblich beschimpft worden sei.

Auch sie erklärte laut Herrn P.: "das ist nicht wahr, sie hat ja zugehört und sie hat keine Beleidigung gehört. Worauf er gesagt hat: Ja, das Gespräch wäre mitgeschnitten worden auf Tonband und wir würden uns vor Gericht wieder sehen."

Eine sehr bemerkenswerte Vorgangsweise. Immerhin hatte sich Herr P. gegen unerwünschte – und damit rechtswidrige – Werbeanrufe gewehrt, wurde daraufhin mit weiteren Anrufen belästigt und schließlich mit einer Klage bedroht. Zu deren Untermauerung müsste eine Tonbandaufzeichnung dienen, deren Entstehung ohne entsprechendem Hinweis ebenfalls rechtswidrig gewesen wäre.

"Keine Aufnahme"
Herr P. wandte sich an help und wir wollten von Tele2 wissen, wie man dieses Vorgehen rechtfertige. Die Folge war ein achter Tele2-Anruf beim Kunden, doch diesmal kam eine ausführliche Entschuldigung.

Wir bekamen eine schriftliche Stellungnahme in der steht: "Ich habe die Rückmeldung von Herrn P. sofort an die zuständige Partnerfirma weitergeleitet und ein Gespräch geführt, da uns die Verhaltensregeln für Mitarbeiter sowie die Qualität der Beratung sehr wichtig sind. Nach intensiver Recherche kann ich Ihnen bestätigen, dass keine Tonbandaufnahme erstellt wurde. Solche Aufnahmen werden selbstverständlich nur nach Vorankündigung erstellt z.B. bei telefonischen Vertragsabschlüssen."

Den Ärger von Herrn P. bedaure man, hieß es weiter und man habe veranlasst, dass der Kunde keinerlei Werbeanrufe mehr erhalten würde.
Was wieder originell ist, denn damit wurde nicht anderes als das Einhalten gesetzlicher Bestimmungen "veranlasst".

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