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25.10.2008

Kundenkarte wider Willen

Fast 80 Prozent aller Österreicher besitzen bereits mehrere Kundenkarten. Sie bescheren ihren Besitzern kleine Vorteile und den Firmen große Einblicke in das Kaufverhalten ihrer Kunden. In der Regel werden Kundenkarten wegen der Vorteile durchaus freiwillig angenommen. Mitunter kann es aber auch zu einer Zwangsbeglückung kommen.

Namen und Adresse
Wer seine Fotos ausarbeiten lässt, muss auf der Fototasche seinen Namen und seine Adresse angeben. So auch Bernhard N., der seine Digital-Fotos in eine Hartlauer Filiale brachte. Ein paar Tage später holte er die Fotos ab, und da, erzählt er, habe ihn die Kassiererin gefragt, ob er so eine Mitgliedskarte von Hartlauer habe, die Löwencard heiße. Und sie habe die Frage quasi gleich selbst beantwortet und gesagt, sie habe sie ja gerade eingescannt.

Da sei er dann ein bisschen stutzig geworden und habe nachgefragt, was das jetzt bedeute. Und so habe sich herausgestellt, dass er jetzt Löwencard-Mitglied ist.

Keine Zustimmung
Herr N. konnte sich nicht erinnern, jemals einer Mitgliedschaft zugestimmt zu haben und fragte nach entsprechenden Unterlagen. Nach einigem Hin und Her mit mehreren Hartlauer-Mitarbeitern wurden ihm schließlich die Allgemeinen Bedingungen für die Löwencard ausgehändigt und er wurde gefragt, warum er überhaupt seinen Namen angegeben hätte, wenn er diese Löwencard nicht wolle.

Er habe dann gefragt, wie man Fotos entwickeln lassen könne, ohne auf die Fototasche den Namen zu schreiben. Das sei ja obligatorisch, falls die Fotos verlorengehen.

Marketingzwecke
In den Hartlauer-AGB fand Herr N. dann einen Passus, dass Hartlauer sich das Recht an Verbraucherdaten zu Marketingzwecken sichert, so lange der Kunde nicht widerspricht.

Worauf der Löwencard-Besitzer wider Willen von Help wissen wollte, ob Firmen tatsächlich mit persönlichen Daten ihrer Kunden nach Belieben verfahren können.

Hartlauer-Stellungnahme
Die Firma Hartlauer betont in einer Stellungnahme, dass die Teilnahme an der Kundenkarte selbstverständlich freiwillig ist. Wörtlich heißt es vom Verantwortlichen für die Löwencard weiter: „Warum Daten von Foto-Ausarbeitsungskunden für die Löwencard erfasst wurden, konnte ich bisher noch nicht klären, ich werde es jedoch mit sofortiger Wirkung zu verhindern wissen und abschaffen, da es nicht im Sinne des Erfinders ist – weder für uns als Unternehmen und schon gar nicht für Sie als Konsumenten.“

Hartlauer entschuldigte sich bei Herrn N. und versicherte, seine Daten gelöscht zu haben.

Werbung per Post
Ein Konsument sollte nicht damit rechnen müssen, schon alleine durch einen Einkauf Teil eines Kundenbindungsprogrammes zu werden, sagt die AK-Datenschutzexpertin Daniela Zimmer, weist aber darauf hin, dass ein Unternehmen mit Kundendaten auch ohne ausdrückliche Zustimmung Einiges machen darf.

Grundsätzlich könne ein Unternehmen Daten von Kunden für eigene Marketingzwecke nutzen, erklärt die Datenschutzexpertin, zum Beispiel können für die Anbahnung neuer Geschäfte Postzusendungen verschickt werden.

Und zwar ausschließlich Postzusendungen. Für Werbe-E-Mails und Werbeanrufe bedarf es der ausdrücklichen Zustimmung des Kunden. Die brieflichen Werbezusendungen sind 3 Jahre nach dem letzten Kontakt mit dem Kunden einzustellen. Erklärt ein Kunde aber, keinerlei Werbezusendungen zu wollen, so muss das vom Unternehmen auf jeden Fall respektiert werden.

HELP, das Konsumentenmagazin
Jeden Samstag, 11:40 h, Ö1

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