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13.12.2008

Silvester-„Fledermaus“-Karten für falsche Vorstellung

Karten für die Silvester-Vorstellungen von Johann Strauß‘ berühmtester Operette "Die Fledermaus" in der Wiener Staats- und Volksoper sind sehr begehrt, weshalb dafür auch die Preisaufschläge von Kartenbüros in Kauf genommen werden. Da es aber sowohl Nachmittags- als auch Abendvorstellungen gibt, kann zuweilen das Verwirrspiel um die Tickets mit dem auf der Bühne durchaus mithalten.

Online-Bestellung
Frau M. aus Niederösterreich wollte sich zum kommenden Jahreswechsel einen lange gehegten Wunsch erfüllen: einen Besuch der Johann Strauß-Operette „Die Fledermaus“. Anfang Oktober bestellte sie drei Karten über das Online-Kartenbüro „Viennaconcerts“.

Für die drei Karten der Kategorie A würden 282 Euro von ihrem Kreditkartenkonto abgebucht werden, hieß es in der Bestätigung, die Beginnzeit finde sie auf der Website von „Viennaconcerts“.

Zweite E-Mail
Rund zehn Tage später kam eine zweite E-Mail von „Viennaconcerts“. Frau M. bat ihre Tochter um eine Übersetzung des englischen Textes.

Die Tochter habe sie angerufen und gemeint, da stimme etwas nicht. Da gebe es eine zweite Vorstellung am Nachmittag und sie sei in der Nachmittagsvorstellung, erzählt Frau M. Sie habe gesagt, das sei nicht möglich, sie buche doch nicht für den Nachmittag die „Fledermaus“ in der Volksoper.

Nachträgliche Änderung
In der E-Mail wurde Frau M. darüber informiert, dass die Volksoper am 31. Dezember zwei Fledermaus-Vorstellungen anbiete, eine um 13.30 Uhr und eine um 19.00 Uhr. Diese Änderung sei nach der Bestellung von Frau M. gemacht worden, daher müsse man improvisieren. Frau M. könne entweder mit den bereits bezahlten Tickets die Nachmittagsvorstellung besuchen oder noch einmal 282 Euro für den Besuch der Abendvorstellung aufzahlen. Verständlich, dass Frau M. keines von beiden wollte und sie bat help um Hilfe.

Volksopern-Spielplan
Unsere Nachfrage bei der Volksoper ergab, dass der Spielplan für die laufende Saison immer schon im April bekanntgegeben werde. Dass es zwei Fledermaus-Vorstellungen zu Silvester gebe, sei der Kartenbüro-Branche bestens bekannt, die ja in der Regel unmittelbar nach der Bekanntgabe ihre Kontingente buche.

„Viennaconcerts“-Stellungnahme
„Viennaconcerts“ teilte uns mit, davon überzeugt zu sein, dass Frau M. die 13.30 Uhr-Vorstellung gebucht habe, was anhand von Log-Files der Online-Datenbank bewiesen werden könne, aber der Aufwand und die Kosten für eine Vorlage dieses Beweises seien zu hoch. Die wichtigste Frage ist, wie „Viennaconcerts“ wörtlich schreibt, aber eine ganze andere:

„Angenommen es gab tatsächlich keine Information über die Uhrzeit auf unserer Website. Wenn aber zwei Vorstellungen für den 31. Dezember üblich sind, wieso muss jeder Besteller davon ausgehen, dass es sich um die Abendvorstellung handelt?“

Konsumentenerwartung
Auf diese Frage hat help-Rechtskonsulent Sebastian Schumacher die Antwort. Hier würde den Kartenanbieter eine Hinweispflicht treffen, erklärt er. Man müsse hier von der Erwartung eines durchschnittlichen Konsumenten ausgehen, und die sei sicherlich so: Die Fledermaus wird am Abend gespielt und nicht am Nachmittag.

Aus der Sicht des Rechtsexperten ist daher die Bestellung von Frau M. rechtsgültig und sie hat einen Anspruch darauf, die Karten zum vereinbarten Preis für die Abendvorstellung zu bekommen.

Dass es in der Volksoper zwei Silvester-Vorstellungen gibt, sollte vor allem für die Experten in den Kartenbüros keine Überraschung sein.

Und Frau M. kann jetzt doch noch, wie bei der Bestellung vereinbart, in die Abendvorstellung gehen. Und zwar ohne Aufzahlung.

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