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Differenziertes Schmecken muss gelernt werden / Bild: APA
02.05.2009

Differenziertes Schmecken will gelernt sein

Feinschmecker werden nicht geboren, sondern gemacht. Das haben Forscher des Technologie-Transfer-Zentrums Bremerhaven herausgefunden. Demnach werden wir, anders als bisher gedacht, ohne ausgeprägte Sensorik geboren und müssen das differenzierte Schmecken erst lernen.

Kleine Kinder schmecken schlechter
Ziel der Untersuchung am Technologie-Transfer-Zentrum Bremerhaven warn es, die sensorische Wahrnehmung von Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren quantifizieren zu können. Mit anderen Worten: die Forscher wollten herausfinden, wie gut Kinder schmecken. Dabei gab es eine Überraschung, sagt Sensorik-Forscherin Kirsten Buchecker:

"Gerade bei den jungen Kindern war es so, dass sie recht hohe Konzentrationen brauchten, um süß schmecken zu können. Diese Fähigkeit zu schmecken, also das Erkennen von Geschmäckern, nahm mit zunehmenden Alter zu. Das heißt, dann brauchten die Kinder geringere Konzentrationen um wahrnehmen zu können, dass es etwas anderes ist als Wasser, was sie da schmecken."

Synapsen fürs Schmecken
Eigentlich hatten die Forscher genau das Gegenteil erwartet, nämlich, dass die sensorischen Schwellen bei Kindern niedriger liegen, weil ihr Geschmack noch nicht so sehr von anderen Lebensmitteln beeinflusst ist, wie bei Erwachsenen. Kinder, so dachten die Wissenschaftler, sollten schon geringere Konzentrationen von süß, salzig oder bitter in den Testflüssigkeiten erkennen können. Doch gefehlt.

"Es hat was damit zu tun, dass wir dieses Schmecken erst erlernen müssen. Und das ist eben bei den Kindern noch nicht vorhanden. Das heißt, wir müssen in unserem Kopf erst die Synapsen bilden für das Schmecken. Und das zeigt auch wie wichtig es ist, dass die Kinder auch im jungen Alter schon viele Geschmackseindrücke kennenlernen, weil sie sonst dieses Schmecken gar nicht erlernen können", so Buchecker.

Steigende Zucker-Schwelle
Eltern sollten ihre Kinder möglichst früh, möglichst vielfältig ernähren, rät Kirsten Buchecker, und ihnen immer wieder kleine Portionen von Lebensmittel anbieten, die ihnen auf Anhieb nicht schmecken. Außerdem sollten Kinder hauptsächlich Wasser trinken und keine stark gesüßten Säfte – nicht nur wegen der bekannten Gesundheitsrisiken.

Wer viel Zucker zu sich nimmt, so Buchecker, "braucht auch immer sehr süße Lebensmittel um noch etwas schmecken zu können, das müsste eigentlich fast süßer und süßer werden. Weil dann eben auch zu diesem Lerneffekt dazukommt, dass die sensorische Schwelle ansteigt. Das heißt, ich brauche höheren Input süß, um süß überhaupt noch schmecken zu können."

Auch Erwachsene können Schmecken lernen
Schmeckenlernen ist übrigens ein lebenslanger Prozess, sagt die Sensorik-Forscherin: "Das ist ja das Schöne und das Spannende eigentlich an dem Schmecken, dass Sie auch als Erwachsener noch eine ganze Menge dazulernen können. Und wenn wir irgendwas nicht mögen, auch bei Erwachsenen geht das noch, können auch wir das noch erlernen, indem wir diese Lebensmittel öfter zu uns nehmen. Wir haben Projekte bei uns im Haus gehabt, wo wir festgestellt haben, dass sich bei Erwachsenen die sensorischen Präferenzen verändert haben."

Die vom Technologie-Transfer-Zentrum Bremerhaven durchgeführte Untersuchung erfolgte im Rahmen einer EU-Studie, die als Grundlage für neue, EU-weit gültige Richtlinien für den Kampf gegen das Übergewicht sowie für wirksame Interventionsprogramme dienen soll.

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