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09.05.2009

Unreparierbares Auto: Wandlung abgelehnt

Ist ein gekauftes Produkt mangelhaft, so muss es der Händler innerhalb der gesetzlichen Gewährleistungsfrist reparieren oder austauschen. Wenn das nicht möglich ist, hat der Kunde das Recht auf Preisminderung oder Wandlung des Vertrags. Ob es sich bei dem mangelhaften Produkt um ein billiges oder ein teures wie ein Auto handelt ist rechtlich natürlich nicht von Belang.


Vor einem Jahr hat sich Frau B. bei Opel & Beyschlag in Klosterneuburg einen Opel Zafira als Familienfahrzeug gekauft. Drei Wochen später hat die Werkstattkontrolleuchte aufgeleuchtet, also ist man in die Werkstatt gefahren.

Werkstattbesuchs-Serie
Die Fehlanzeige über ein Dieselpartikelfilter-Problem wurde laut Frau B. vom Bordcomputer gelöscht. "Da hat die Serie begonnen, dass wir ca. alle drei Wochen dort waren. Der Fehler wurde dann immer gelöscht und wir wurden weggeschickt mit den Worten, wenn's wieder kommt, dann kommen sie halt wieder."

Frau B. kam öfters wieder, bis Sie nach ca. einem halben Jahr erstmals eine Wandlung anregte. Da wurde ihr mitgeteilt, "wir müssen die Konzernrichtlinien einhalten, da muss sich dieser Garantieinspektor einschalten".

Gebracht hat dies nichts. Bis im Herbst einige Teile des Autos ausgetauscht wurden. Jetzt leuchtete zwar keine Kontrolllampe mehr auf, dafür verbrauchte das Fahrzeug deutlich mehr Treibstoff.

Dem Auto "eine Chance geben"
Darauf angesprochen, erklärte man laut Frau B. bei Opel & Beyschlag, "wir sollen doch dem Auto eine Chance geben und jetzt haben wir das ja noch gar nicht so lange".

Familie B. gab dem Auto eine Chance, bis Anfang April die Kontrolllampen-Probleme erneut auftraten. Bei den weiteren Werkstattbesuchen reichten die Empfehlungen von "wir sollen das Problem ignorieren" bis "na, ja, wenn das das nächste Mal passiert, dann müssen wir jetzt wirklich einmal was machen".

Keine Gewährleistungsrechte bei hohem Kaufpreis?
Familie B. verlangte neuerlich eine Wandlung des Kaufvertrages, und diesmal teilte man ihr mit: "Eine Wandlung gibt's nicht, weil wir sind ja auch gefahren mit dem Auto und schließlich haben sie ja sechs Monate Ruhe gehabt".

Frau B. wandte ein, dass ein defekter Fernseher auch zurückgenommen oder getauscht würde . "Darauf hat er nur gemeint, ja da handelt es sich auch um weniger Geld."

Dieses Argument entbehrt natürlich jeder rechtlichen Grundlage.

Recht auf Wandlung
Bei einem groben nicht behebbaren Mangel hat man selbstverständlich den Rechtsanspruch auf eine Rückabwicklung des Vertrages, betont help-Jurist Sebastian Schumacher: "Auch wenn ein Fahrzeug bereits einige Monate oder auch schon ein Jahr in Betrieb genommen worden ist, kann erfolgreich ein Mangel geltend gemacht werden. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass es durch die längere Benützung auch zu einer Wertminderung kommt, die einem Konsumenten in Rechnung gestellt werden kann."

Keine "Richtlinie", die Wandlung "verbietet"
Vom Opel-Händler hieß es nach einer help-Anfrage dann auch in einer Antwort-Mail wörtlich: "Natürlich gibt es bei Opel & Beyschlag keine 'Richtlinie' welche eine Wandlung verbietet, und selbstverständlich gelten für Frau B. wie auch für alle anderen Konsumenten das Gewährleistungsrecht mit all seinen Behelfen. Für etwaig getätigte Aussagen meiner Mitarbeiter, ob nun so getroffen oder auch nur missinterpretiert, möchte ich mich entschuldigen."

Familie B. wurde ein neues Auto angeboten und das alte, defekte wird gegen den damaligen Kaufpreis abzüglich 35 Cent pro gefahrenem Kilometer zurückgenommen.

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