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30.05.2009

Fernabsatzgesetz: Unterwäsche muss zurückgenommen werden

Produkte, die beim Teleshopping gekonnt vorgeführt werden, passen perfekt, funktionieren tadellos, halten ewig und sind konkurrenzlos billig. Wird die Ware dann geliefert, ist sie allerdings oft nicht wiederzuerkennen. Und das Geschäft dann rückgängig zu machen, wird zur echten Herausforderung.

Schöne Bodies
Die Firma Teletipp präsentierte im Fernsehen Unterwäsche. Ein Body hatte es Frau M. besonders angetan, denn er betonte, was betont werden soll und kaschierte, was kaschiert werden soll. Sie bestellte telefonisch zwei Stück davon und dazu auch noch zwei Panties, das Angebot des Tages.

Als sie dann die Sachen anprobierte, haben ihr weder die Bodies gepasst, noch die Panties, erzählt Frau M.

Es lag am Schnitt und nicht an der Größe und so wollte Frau M. die Sachen, wie sie es von Bestellungen im Versandhandel gewöhnt ist, einfach wieder an den Absender zurückschicken, an die Firma Kauf So-Versandhandels AG in Wolfurt.

Ominöse RMA-Nummer
Zum Thema Rücksendungen fand Frau M. im Begleitbrief diese Information: "Um eine reibungslose Abwicklung Ihrer Rücksendung gewährleisten und den Retourenabwicklungsprozess beschleunigen zu können, ist es ratsam, bei der Rücksendung Ihres Paketes dieses mit einer gut lesbaren RMA-Nummer zu versehen."

Die RMA-Nummer musste telefonisch erfragt werden, um 20 Cent pro Minute.

In der Warteschleife
Eine gute Methode, um Kunden zusätzlich zu schröpfen, meint Frau M. Denn sie habe sehr lange warten müssen, sei ca. 15 Minuten in der Warteschleife gewesen. Dann habe sich jemand vom Kundendienst gemeldet und ihr mitgeteilt, dass sie geöffnete Pakete nicht mehr zurücksenden könne.

Falsche Auskunft
Eine Auskunft, die schlicht und einfach falsch ist, erklärt help-Rechtskonsulent Sebastian Schumacher. Denn das Fernabsatz-Gesetz, das für Geschäfte dieser Art zur Anwendung kommt, gewährt eindeutig ein Rücktrittsrecht.

Und zwar kann dieses Rücktrittsrecht binnen sieben Werktagen nachdem die Bestellung zugestellt wurde, ausgeübt werden. Ohne dass man irgendeine RMA-Nummer dafür benötige. Es reiche, dass man seinen Rücktritt vom Fernabsatzvertrag schriftlich erkläre und die bestellte Ware an den Absender zurückschicke, sagt der help-Rechtskonsulent.

Ausnahmen
Bestimmte Waren sind tatsächlich vom Rücktrittsrecht ausgenommen und sie werden auch explizit im Fernabsatzgesetz genannt – wie zum Beispiel entsiegelte CDs , Videos und Software, Zeitungen und Zeitschriften sowie Wett- und Lotterie-Dienstleistungen. Unterwäsche ist in dieser Liste jedoch nicht enthalten. Und das bedeutet, so der Rechtsexperte, dass bei Unterwäsche, die im Versandhandel bestellt werde, ein Rücktritt nach dem Fernabsatzgesetz möglich sei.

Rücktrittsfrist verlängert
Und da Frau M. nicht ordentlich über ihr Rücktrittsrecht informiert wurde, verlängert sich in ihrem Fall die Rücktrittsfrist von sieben Werktagen auf drei Monate.

HELP, das Konsumentenmagazin
Jeden Samstag, 11:40 h, Ö1

Link öffnenhelp@orf.at

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