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31.10.2009

Händler trickst bei Gewährleistung

Das Konsumentenschutzgesetz legt recht genau fest, welche Gewährleistungsrechte ein Konsument hat, wenn ein neu gekauftes Produkt mangelhaft ist. Trotzdem gibt es nach wie vor Händler, die ihren Gewährleistungspflichten einfach nicht nachkommen. Ärgerlich, dass sie damit auch immer wieder durchkommen.

Nicht funktionsfähig
Martina M. kaufte für ihre Großmutter bei der Firma Handytuner.at ein Handy um rund 100 Euro. Das war Ende Juli, die alte Dame hatte gerade einen Aufenthalt im Krankenhaus hinter sich und war auf das Handy angewiesen. Als sie das Handy zu Hause in Betrieb nehmen wollte, war es kaputt, schrieb uns Frau M.

"Nach dem Anschluss an das Ladekabel zeigte es zwar am Display den Ladevorgang an, gab dabei aber alle paar Minuten Signaltöne von sich. Nach einem sehr langen Ladevorgang ließ sich das Handy zwar noch einschalten, schaltete aber ab, sobald man damit telefonieren wollte. Dann ließ es sich nicht mehr einschalten und konnte auch nicht wieder aufgeladen werden", so Frau M.

Reparaturversuch
Frau M. brachte das Gerät zur Firma Handytuner in der Westbahnstraße in Wien-Neubau, wo der Akku ausgetauscht wurde. Der gleiche Fehler trat aber wieder auf, worauf der Firmenmitarbeiter meinte, dass man das Gerät an den Hersteller zurückschicken werde, Frau M. müsse sich auf eine Wartezeit von rund drei Wochen einstellen.

Das war für die Großmutter – die einen Aufenthalt in einer Rehabilitationseinrichtung vor sich hatte, nicht akzeptabel.

Wandelung gefordert
Die Firma Handytuner lehnte aber sowohl den Austausch des defekten Handys als auch ein Leihgerät als Überbrückungshilfe ab, weshalb Frau M., wie sie in ihrer E-Mail schrieb, den Kaufpreis zurück verlangte, um anderswo ein funktionierendes Handy zu kaufen.

"Diese Wandlung des Kaufvertrages machte ich Anfang August geltend", schrieb uns Frau M. "Jetzt, zwei Monate später, ist noch immer keine Zahlung eingelangt und auch eine Antwort der Firma blieb aus."

Stellungnahme der Firma
Über die help-Homepage und diverse Internetforen fand Frau M. heraus, dass sie nicht die Einzige war, die Probleme mit der Firma Handytuner hatte. Unsere Aufforderung zur Stellungnahme wurde von der Firma mit zwei Sätzen beantwortet: "Wie dem Kunden schon mitgeteilt, kommen wir unserer Gewährleistungspflicht durch Nachbesserung gerne nach. Solange das abgelehnt wird, sehen wir keine Möglichkeit, tätig zu werden."

Gewährleistungsrechte
Für help-Rechtskonsulent Sebastian Schumacher ist das eine sehr eigenwillige Auslegung der Gewährleistungspflicht. Im Gewährleistungsfall kann der Konsument den Austausch oder die Reparatur des defekten Produktes verlangen. Nur wenn der Austausch wirtschaftlich unbillig wäre, muss eine Reparatur akzeptiert werden. Aber, so der Rechtskonsulent: "Bei Massenprodukten wie beim Handy kann im Normalfall doch ein Austausch verlangt werden."

Fehlgeschlagener Reparaturversuch
Noch dazu hat es im vorliegenden Fall durch den Austausch des Akkus schon einen erfolglosen Reparaturversuch gegeben.

Wenn Reparaturversuche scheitern und wie im vorliegenden Fall ein Austausch verweigert werde, könne vom Konsumenten die Wandlung des Vertrages verlangt werden, sagt der help-Rechtskonsulent.

Schwierige Rechtsdurchsetzung
So hat Frau M. also eindeutig das Recht auf ihrer Seite. Um es auch durchzusetzen, müsste sie aber klagen. Und da sich jeder eine Klage angesichts relativ geringer Schadenssummen überlegt, kann eine Firma wie Handytuner auch so weitermachen.

HELP, das Konsumentenmagazin
Jeden Samstag, 11:40 h, Ö1

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Artikel lesenUnzulässige Gebühr bei Bankomatkartenzahlung (27.12.2008)

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