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Flugticketpreise je nach Buchungsland / Bild: APA
19.12.2009

Flugticketpreise können vom Buchungsland abhängig sein

Fluglinien dürfen ihren Passagieren innerhalb der EU nicht unterschiedliche Ticketpreise je nach Herkunftsland verrechnen – sie machen es aber offenbar trotzdem. Und tatsächlich gibt es für diese von der EU-Kommission untersagte Diskriminierung "Schlupflöcher" für die Fluglinien. Während nämlich die Ticketpreise für alle EU-Bürger einheitlich sein sollten, dürfen die Anbieter ihre Angebote trotzdem "den verschiedenen Marktbedingungen anpassen".

Für Österreicher doppelt so teuer
Ursula D. ist beruflich viel in den USA unterwegs. Beim Versuch via Internet ein Lufthansa-Flugticket von Denver nach Innsbruck zu buchen, ist ihr aufgefallen, dass es bei Wohnsitzangabe Österreich fast doppelt so teuer ist, wie bei Wohnsitz Deutschland.

Weitere Online-Nachforschungen brachten Sie auf einen help-Artikel aus dem Jahr 2004, laut dem die Airlines diese Preisdiskriminierung je nach Herkunftsland nach Aufforderung der EU-Kommission bereits beendet hätten.

So wandte Sich Frau D. an help, wir führten bei Lufthansa eine Testbuchung durch und tatsächlich kostete derselbe Flug von Innsbruck nach Denver bei Wohnsitz Deutschland 938 und bei Wohnsitz Österreich 1.622 Euro.

Preise gleich – oder auch nicht
Also forderten wir Lufthansa auf, diesen enormen Preisunterschied zu erklären und in einer schriftlichen Stellungnahme hieß es gleich zu Beginn: "Grundsätzlich sind Lufthansa-Preise, unabhängig vom Verkaufsmarkt in Europa, für identische Flüge gleich."

Danach folgte eine ausführliche Erklärung, warum die Ticketpreise trotzdem nicht für alle EU-Bürger gleich sind. So heißt es etwa: "Die Steuerung der Verfügbarkeit der unterschiedlichen Tarifklassen ist ein sehr dynamischer und zeitnaher Prozess, was in Ausnahmefällen dazu führen kann, dass für eine kurze Zeit die verschiedenen Online Buchungssysteme der jeweiligen Länder noch nicht angeglichen sind und somit ein Preisunterschied in Einzelfällen vorkommen kann."

Da zwischen der Beobachtung von Frau D. und unserer Testbuchung allerdings mehrere Tage verstrichen waren, müsste wohl eine weitere Lufthansa-Erklärung herhalten: "Was Internetbuchungen betreffen, so gibt es trotz der Preisgleichheit innerhalb Europas, auch Sondertarife, die jedoch wiederum länderspezifisch sind und auf Grund marktspezifischer Faktoren von Land zu Land variieren können."

"Preisliche Diskriminierungen untersagt"
Die EU-Kommission hatte allerdings bereits im Sommer 2006 versichert, dass Flugtickets innerhalb der EU-Staaten für den "gleichen Flug, Sitz und Buchungstermin gleich viel kosten" sollten, die Praxis der unterschiedlichen Preise wolle man unterbinden.

Dieser Ansicht ist man bei der EU-Kommission noch immer. So heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme auf unsere Anfrage: "Preisliche Diskriminierungen von Reisenden aufgrund ihres Wohnsitzlandes oder ihrer Nationalität werden untersagt."

Doch auch in diesem Schreiben wird wenig später erklärt: "Das bedeutet nicht, dass Fluggesellschaften die Flugpreise nicht wirtschaftlich definieren können und sie den verschiedenen Marktbedingungen anpassen können. Diese Anpassungen können mehrmals täglich geschehen. Konsumenten sollen Zugang zum selben Preis haben wenn es darum geht, 'selbe Buchung, selber Platz, selber Moment, selbe Route auf derselben Website' durchzuführen."

In der Praxis kaum möglich
Wenn also ein Österreicher auf einer deutschen Fluglinien-Seite ein günstigeres Angebot findet, müsste er dieses auch buchen können. In der Praxis ist es allerdings so, dass man bei der Suche nach Flugtickets gleich zu Beginn seinen Wohnsitz bekannt geben muss, und so etwaige an "Marktbedingungen angepasste" günstigere Preise gar nicht mehr angeboten bekommt.

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